Kräftskiva: schwedisches Krebsessen in den Schären

Ende August, wenn die Abende kürzer werden, hängen an den Stegen der Schären bunte Papierlaternen. Auf den Tischen türmen sich in Dill gekochte Krebse, dazu Schnaps, Bier und Lieder. Die Kräftskiva, das schwedische Krebsessen, ist nach Midsommar das zweite große Sommerfest unter freiem Himmel – und eng mit dem Leben auf den Inseln verbunden.

Warum ausgerechnet im August?

Der Termin hat einen handfesten Grund. In den 1920er-Jahren regelte der schwedische Staat den Krebsfang, weil man einen Zusammenbruch der Bestände fürchtete. Gefangen werden durfte fortan nur im August und September. Traditionell begann die Saison am ersten Mittwoch im August – die kräftpremiär -, und aus der ersehnten Freigabe wurde rasch ein Fest. Bis heute liegt die Hauptzeit der Kräftskivor im August, auch wenn kein festes Datum mehr gilt.

Vom Adelsessen zum Volksfest

Krebse zu essen war in Schweden lange ein Vorrecht der Oberschicht – im 16. Jahrhundert bediente sich vor allem der Adel. Über das 18. und 19. Jahrhundert breitete sich der Brauch aus. Das Wort kräftskiva entstand in den 1930er-Jahren, und die Ausstattung, die wir heute kennen, nahm schon in den 1920ern Form an: die spitzen Papierhüte, die Mondlaternen mit dem Mann im Mond, Lätzchen und die Schnapslieder. Zum landesweiten Volksfest wurde die Kräftskiva dann in den 1960er-Jahren.

Wilde Flusskrebse sind selten geworden

Die heimischen Edelkrebse (flodkräfta) sind heute rar und teuer. Eine eingeschleppte Krebspest hat die Bestände stark dezimiert; als Ersatz wurde der nordamerikanische Signalkrebs eingesetzt, der einen Großteil der schwedischen Fänge ausmacht. Die meisten Krebse auf den Festtafeln stammen jedoch aus dem Import – vor allem aus der Türkei, aus China und den USA. Frische, in Schweden gefangene Krebse bleiben die teure Ausnahme.

Wie gegessen und getrunken wird

Die Krebse werden in Salzwasser mit reichlich Dill gekocht – am besten mit Kronendill, der erst nach der Blüte geerntet wird – und kalt serviert. Gegessen wird mit den Fingern, geschlürft und ausgesaugt, ohne Eile. Dazu gehören Brot, Västerbottenkäse und oft eingelegter Hering. Getrunken werden Bier und Schnaps, und vor jedem Glas wird gesungen: Die snapsvisor sind Pflicht, das bekannteste ist „Helan går“. Wie sich das in die übrige Schärenküche aus Fisch und Meeresfrüchten einfügt, lesen Sie im eigenen Beitrag. Visit Sweden beschreibt Ablauf und Bräuche der crayfish party im Detail.

Gefeiert wird draußen, am liebsten am Steg

Ihre eigentliche Bühne hat die Kräftskiva in den Schären. Gefeiert wird im Freien, auf der Terrasse des Sommerhauses oder direkt am Bootssteg, wenn die Laternen über dem dunkler werdenden Wasser leuchten. Zusammen mit den Midsommar-Traditionen bildet das Krebsfest den Rahmen des schwedischen Insel-Sommers: das eine markiert seinen hellen Höhepunkt, das andere seinen langsamen Ausklang.

Häufige Fragen zur Kräftskiva

Wann findet die Kräftskiva statt?

Im August, traditionell ab dem ersten Mittwoch des Monats, und oft bis in den September hinein. Ein festes Datum gibt es heute nicht mehr.

Warum trägt man Papierhüte und hängt Mondlaternen auf?

Diese Ausstattung entstand in den 1920er-Jahren und gehört seither fest zum Fest: spitze Papierhüte, Lätzchen und Laternen mit dem Mann im Mond.

Sind die Krebse aus Schweden?

Meist nicht. Heimische Edelkrebse sind selten und teuer, ein Teil der Fänge sind Signalkrebse, und das Gros der servierten Krebse wird importiert.