Möja: Anreise, Dörfer und Wandern im mittleren Schärengarten
Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Im Juli 1719 landete die russische Flotte an der schwedischen Ostküste, um Stockholm einzunehmen. Auf Möja brannte danach jedes Gebäude nieder - bis auf die kleine Kapelle in Berg. Was heute auf der Insel steht, ist also jünger als 1719, und trotzdem gilt Möja mit seinen großen, geschlossenen Dörfern als eine der ursprünglichsten Inseln im gesamten Schärengarten. Rund 250 Menschen leben ganzjährig hier.
Anreise: zweieinhalb Stunden über Sollenkroka, vier über Strömkajen
Es gibt zwei Wege, und der bequemere ist nicht der schnellere. Direkt mit dem Boot ab Strömkajen in Stockholm dauert die Fahrt drei bis vier Stunden, dafür sitzen Sie durchgehend und sehen den halben Schärengarten. Die schnellere Variante ist die Kombination: Bus 434 ab Slussen bis Sollenkroka brygga, gut eine Stunde, dann das Boot, ebenfalls gut eine Stunde. Zusammen etwa zweieinhalb Stunden. In Sollenkroka gibt es Parkplätze, die in der Hochsaison früh voll sind.
Waxholmsbolaget führt die Möja-Linie unter Tabelle 14 und nennt Boda brygga auf Värmdö als Ausgangspunkt; Sollenkroka liegt auf derselben Linie. Welcher der beiden Stege für Ihre Abfahrt gilt, wechselt mit Saison und Kurs, das steht im jeweiligen Fahrplan. Im Sommer fährt zusätzlich die Nord-Süd-Linie (Tabelle 40) über Långvik, Ramsmora und Berg. Einzelne Kurse gehen ohne Umsteigen ab Strömkajen.
Die beiden meistgenutzten Stege liegen im Süden der Insel: Möjaström und Berg. Achten Sie beim Buchen darauf, an welchem Sie landen - die Insel ist sechs Kilometer lang, und zwischen den Dörfern liegen Fußwege, keine Busse.
Fünf Dörfer und was es in welchem gibt
Möja ist rund sechs Kilometer lang und vier breit, mit drei Binnenseen und viel Wald im Inneren. Die Dörfer reihen sich an der Ost- und Südküste auf. Berg ist der Hauptort und der einzige, in dem ganzjährig etwas offen hat.
| Dorf | Was es dort gibt | Gästehafen |
|---|---|---|
| Berg | Lebensmittelladen (ganzjährig, zugleich Vertretung für Apotheke, Post und Systembolaget), Restaurant, Fischbude, Pizzeria, Gasthof, Café, Bäckerei, Heimatmuseum, Tanzbahn, Touristenbude | Kyrkviken |
| Långvik | Café und Restaurant, Lebensmittelladen (nur Sommer) | ja |
| Ramsmora | Restaurant (ganzjährig), Roland-Svensson-Museum am Dampferkai | ja |
| Löka | Wohnort, Badeklippen; kurz dahinter eine Straußenfarm | ja |
| Södermöja | eigene Insel südlich, gehört zur Gemeinde | nein |
Die Zahlen dahinter sind für eine Schäreninsel bemerkenswert: rund 60 Betriebe von der Bootswerft über die Tischlerei bis zur Herberge, dazu Kindergarten und Schule. Das ist der Unterschied zwischen einer Insel, die im September zumacht, und einer, die weiterläuft. Die Gemeinde Värmdö hat die Bestandsaufnahme in einer eigenen Inselbroschüre zusammengetragen.
13,8 Kilometer Schotterweg von Långvik nach Hamn
Möja ist eine Etappe des Stockholm Archipelago Trail, und zwar eine der einfachsten: 13,8 Kilometer, Schwierigkeitsgrad leicht, durchgehend auf Schotterweg um die Ost- und Südküste. Empfohlene Richtung ist Långvik über Ramsmora und Löka nach Berg und weiter nach Hamn.
Weil kein einziger Meter über Fels oder Wurzelpfad führt, ist die Strecke auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl machbar - eine Seltenheit im Schärengarten, wo Wanderwege sonst fast immer über blanken Granit gehen. Wer nicht die ganze Strecke laufen will, steigt an einem der fünf Stege ein oder aus. Die Etappenbeschreibung nennt für jeden Abschnitt die Anlegestellen.
Fahrräder gibt es in Berg und Långvik zu mieten, und die alten Landstraßen der Insel sind zum Radfahren besser geeignet als die meisten Schäreninseln. Wenn Sie das Rad mitbringen wollen: Auf den Booten fährt es kostenlos mit, aber nur wenn Platz ist.
Fisch bis in die 1980er, Erdbeeren bis 1970
Möja lag im eigentlichen Fischereigebiet der Region, und der Fischfang war für die Inselbewohner bis weit in die 1980er Jahre die wichtigste Einnahmequelle. Daneben stand ein zweiter Erwerbszweig, den heute kaum jemand mit den Schären verbindet: der Erdbeeranbau. Er lief über eigene Erdbeerboote nach Stockholm und kam um 1970 fast vollständig zum Erliegen.
Die Epoche ist nicht vergessen. Das Heimatmuseum widmete ihr eine ganze Themenwoche mit Vorträgen, dem Film „Jordgubbsbåten” und den Geräten, mit denen gepflanzt und geerntet wurde - Hacken, Sicheln, eine alte Bodenfräse und das Frachtbuch des Erdbeerboots.
Der Wendepunkt für die Insel insgesamt war 1906. Seit diesem Jahr gibt es eine feste Dampfschiffverbindung, und die Inselbewohner mussten ihre Ware nicht mehr in die Stadt rudern und segeln. Ungefähr gleichzeitig entdeckten wohlhabende Stockholmer die Schären als Sommerziel. Wie sich daraus die heutige Sommerhauskultur entwickelte, steht im Beitrag über die Geschichte der Schären.
Was von 1719 übrig ist
Möja wird schon in der Segelbeschreibung König Valdemars aus dem 13. Jahrhundert genannt, damals als „Myghi”. Feste Bewohner hatte die Insel wahrscheinlich seit der Wikingerzeit, und ein Landregister von 1543 verzeichnet elf Höfe, verteilt auf Berg, Löka, Ramsmora, Långvik und Södermöja - dieselben Dörfer wie heute.
Der russische Überfall von 1719 hat diese Kontinuität nur unterbrochen, nicht beendet. Von der Zerstörung zeugen die sogenannten Ryssugnar, die Russenöfen: stehen gebliebene Kaminsockel niedergebrannter Häuser. Die heutige Kirche stammt von 1768 und steht ungefähr dort, wo die abgerissene Kapelle stand, die als einziges Gebäude überlebt hatte. Auf einer Anhöhe steht außerdem ein Vårdkase, ein rekonstruierter Signalfeuerhaufen aus der Zeit, als Warnungen über die Schären von Insel zu Insel weitergegeben wurden.
Zwei Museen, zwei Öffnungslogiken
Das Roland-Svensson-Museum liegt direkt am Steg von Ramsmora, in Reichweite, wenn Sie dort ankommen oder ablegen. Roland Svensson (1910-2003) hat die Schären und ihre Bewohner gemalt und gehört zu den Künstlern, die in Schweden weit über Kunstkreise hinaus bekannt sind. 2026 ist das Museum ab Mittsommer täglich geöffnet, sonst ganzjährig nach telefonischer Anmeldung unter 070-539 73 23.
Das Heimatmuseum steht oben auf der Anhöhe von Berg mit Blick über den Bergbofjärden und besteht aus einem Bootshaus und zwei erhaltenen Stuben aus dem 18. Jahrhundert, Bergstugan und Lökastugan. Vom Dampferkai führt ein Schotterweg, dann ein Steig, dann geht es steil bergauf. Der Verein weist ausdrücklich darauf hin, dass das Museum wegen der Steigung und der Natursteintreppen für Menschen mit Gehbehinderung schwer erreichbar ist. Geführt wird persönlich, nicht per Schild. Kontakt und Termine über das Möja Hembygdsmuseum.
Baden: Klippen statt Sandstrand
Angelegte Badestellen gibt es auf Möja nicht. Was es gibt, sind Klippen: in Långvik, Ramsmora, Löka und Berg. Die einzige Stelle mit Sand ist Saltvik, dort liegen Badeklippen und Sandstrand nebeneinander. Wer mit Kindern reist und einen flachen Einstieg braucht, sollte das einplanen - Klippenbaden heißt in der Regel zwei Meter Wasser ab dem ersten Schritt. Für den Vergleich mit familienfreundlicheren Zielen lohnt der Beitrag über die Schären mit Kindern.
Das Wasser rundherum ist bei Bootsfahrern beliebt, weil lange Buchten und Sunde östlich der Insel viele geschützte Naturhäfen bilden. An Land ist die Tierwelt für eine Schäreninsel ungewöhnlich vielfältig: Elch, Reh, Dachs, Biber und Marder kommen vor.
Übernachten
Drei Adressen sind ganzjährig oder fast ganzjährig in Betrieb: die STF-Herberge in Berg, der Gasthof in Berg mit Zimmern und Küche, und das Gästehaus in Långvik. Dazu vermieten mehrere Inselbewohner Hütten und Zimmer. Einen offiziellen Campingplatz gibt es nicht; gezeltet werden darf laut Gemeindebroschüre an der Tanzbahn und beim Gästehaus. Sonst gilt das Jedermannsrecht mit seinen Grenzen - eine bis zwei Nächte, abseits der Häuser.
Wer mehrere Inseln aneinanderhängt, findet in den Beiträgen zu Gällnö und Svartsö die beiden nächstgelegenen Alternativen im mittleren Schärengarten.
Für wen sich Möja lohnt
Möja ist keine Insel für einen spontanen Halbtagesausflug. Die Anreise kostet Sie in jeder Variante mindestens zweieinhalb Stunden pro Richtung, und wer nur vier Stunden auf der Insel hat, sieht ein Dorf und den Weg zurück zum Steg. Sinnvoll wird es ab einer Übernachtung.
Dafür bekommen Sie etwas, das die inneren Inseln nicht haben: gewachsene Dörfer statt Ausflugsgastronomie, einen Laden mit Postschalter, eine Tanzbahn mit Veranstaltungen das ganze Jahr über und einen Wanderweg, den man ohne festes Schuhwerk gehen kann. Wer den kurzen Ausflug sucht, ist auf Grinda oder in Vaxholm besser aufgehoben.
Häufige Fragen zu Möja
Wie kommt man nach Möja?
Mit dem Boot ab Strömkajen in drei bis vier Stunden oder mit Bus 434 ab Slussen bis Sollenkroka und von dort weiter mit dem Boot, zusammen rund zweieinhalb Stunden. Die Linie läuft unter Fahrplantabelle 14.
Wie viele Menschen leben auf Möja?
Rund 250 Personen ganzjährig auf Möja und Södermöja zusammen. Im Sommer vervielfacht sich die Zahl durch Feriengäste und Sommerhausbesitzer.
Gibt es auf Möja einen Laden?
Ja, in Berg, ganzjährig geöffnet und zugleich Vertretung für Apotheke, Post und Systembolaget. In Långvik gibt es einen zweiten Laden, allerdings nur im Sommer.
Kann man auf Möja wandern?
Ja. Die Möja-Etappe des Stockholm Archipelago Trail ist 13,8 Kilometer lang, als leicht eingestuft und führt durchgehend über Schotterweg von Långvik über Ramsmora, Löka und Berg nach Hamn.
Gibt es auf Möja einen Sandstrand?
Nur einen, in Saltvik. Alle anderen Badestellen sind Klippen, unter anderem in Långvik, Ramsmora, Löka und Berg.
Hat Möja im Winter geöffnet?
Ja. Laden, Restaurant und mehrere Unterkünfte laufen ganzjährig, die Insel hat Kindergarten und Schule. Die Bootsverbindung besteht das ganze Jahr, allerdings mit dünnerem Fahrplan.
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