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Utö: Anreise, Radfahren und die ältesten Eisengruben Schwedens

Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Radfahrer auf einem Schotterweg durch offenes Gelände, rechts ein rotes Haus am Wasser

Die auffälligsten Stellen auf Utö sind Löcher. Wassergefüllte Schächte, mitten im Dorf, Reste von rund 700 Jahren Eisenerzbergbau - Utö hat die ältesten Eisengruben Schwedens. Heute leben etwa 250 Menschen ganzjährig auf der Insel, dazu kommen knapp 300 Ferienhäuser und rund 70.000 Besucher im Jahr.

Anreise: 40 Minuten ab Årsta brygga

Der übliche Weg führt nicht über Stockholm, sondern über den Süden: mit Pendeltåg und Bus bis Årsta brygga, von dort mit dem Boot in rund 40 Minuten. Wer stattdessen ab Stockholm direkt fährt, verbringt einen halben Tag an Bord.

Die Boote legen in Gruvbyn an, dem Hauptort. Wie Tickets und Preisstufen funktionieren, steht im Beitrag über Waxholmsbolaget; auf den Linien in die südlichen Schären gelten SL-Fahrscheine nicht.

Gruvbyn: der Ort, an dem alles liegt

In Gruvbyn ist praktisch die gesamte Infrastruktur der Insel versammelt: Gästehafen, Lebensmittelladen, Bäckerei mit Krog, Värdshus, Herberge, Konferenzräume sowie Kajak- und Fahrradverleih. Der Hafenbereich ist flach und gut zugänglich, was Utö von den meisten Schäreninseln unterscheidet.

Dazu kommen zwei Museen: ein Heimatmuseum und ein Bergbaumuseum. Beide erklären dieselbe Geschichte aus verschiedenen Richtungen - die eine über das Alltagsleben, die andere über die Technik.

700 Jahre Eisen

Feste Bewohner hatte Utö bereits Mitte des 6. Jahrhunderts. Der Bergbau begann im 11. Jahrhundert und lief rund 700 Jahre lang intensiv weiter; Schlackefunde belegen die Förderung. Im 17. Jahrhundert betrieb Clas Bielkenstierna, der Besitzer von Årsta slott, die Gruben, und ein großer Teil des Erzes ging an das Eisenwerk Åkers bruk, wo daraus Kanonen und Kanonenkugeln wurden.

1719 zerstörten russische Truppen die Insel, wie fast überall in den Schären. Die Gruben liefen danach weiter, bis die Grubengesellschaft 1879 den Betrieb einstellen musste. Was blieb, sind die gefluteten Schächte und ein Ortsbild, das nach Industrie aussieht und nicht nach Fischerdorf. Wie sich das von den übrigen Inseln unterscheidet, zeigt der Beitrag über die Geschichte der Schären.

Radfahren: über 300 Leihräder

Utö ist die Radinsel der Stockholmer Schären. Direkt an der Gruvbryggan gibt es einen Verleih mit über 300 Rädern für Erwachsene und Kinder; auch auf der Nachbarinsel Ålö lassen sich Räder mieten.

Das ist kein Zufall, sondern eine Folge der Bergbaugeschichte: Die Insel hat ein Netz aus Schotterstraßen, das für Transporte gebaut wurde und heute zum Radfahren dient. Wer sein eigenes Rad mitbringen will, kann das kostenlos tun, allerdings nur bei freiem Platz an Bord. Weitere Radziele stehen im Beitrag über Radfahren und Inselhopping.

Baden: fünf Stellen, drei Charaktere

Rävstavik ist ein Felsbad an der Ostseite, rund 500 Meter vom Värdshus entfernt und damit die schnellste Option nach der Ankunft. Tiefes Wasser ab dem ersten Schritt.

Ålö Storsand und Stora Sand sind die großen Sandstrände, beide auf Ålö beziehungsweise im Süden gelegen und mit dem Rad erreichbar.

Barnens bad und die Allmänna badplatsen sind die flachen, familientauglichen Stellen. Für Reisende mit kleinen Kindern lohnt der Beitrag über die Schären mit Kindern.

Nach Ålö über den Schotterweg

Utö und Ålö sind über eine Schotterstraße verbunden, sodass Sie ohne Boot hinüberkommen. Im Etappenverzeichnis des Fernwanderwegs ist diese Verbindung als eigener Abschnitt von 4,6 Kilometern geführt und als leicht eingestuft.

Praktisch heißt das: Eine Tagestour Utö - Ålö - Utö ist ohne Fahrplanrecherche machbar, mit dem Rad in wenigen Stunden. Die großen Sandstrände liegen dabei auf Ålö.

Wandern: 18,4 Kilometer, anspruchsvoll

Die Utö-Etappe des Stockholm Archipelago Trail ist 18,4 Kilometer lang und als anspruchsvoll eingestuft: schmale Pfade, Steine und Wurzeln, Felspassagen, die bei Nässe rutschig werden, und kupiertes Gelände. Festes Schuhwerk ist hier keine Empfehlung, sondern Voraussetzung.

Achtung bei der Planung: Der nordöstliche Teil der Etappe wird derzeit umgebaut. Der aktuelle Stand steht auf der Etappenseite des Betreibers.

Übernachten

Das Utö Värdshus bündelt mehrere Häuser: Kvarnvillan mit acht Doppelzimmern, das Stenhotellet mit zehn Zimmern in einem sanierten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, rote Holzhütten am Hang, eine Herberge mit Gemeinschaftsküchen und zwei Wohnungen im Zentrum von Gruvbyn. Die Hütten lassen sich als Hotelzimmer mit Frühstück oder wochenweise mit Selbstverpflegung buchen.

Dazu kommt Utö Camping sowie Hütten, die die Skärgårdsstiftelsen direkt vermietet - Utö und Gålö sind die beiden Inseln, auf denen die Stiftung selbst vermietet. Eine Übersicht steht im Beitrag über das Übernachten in den Schären.

Häufige Fragen zu Utö

Wie kommt man nach Utö?

Mit Pendeltåg und Bus bis Årsta brygga, von dort mit dem Boot in rund 40 Minuten nach Gruvbyn. SL-Fahrscheine gelten auf dieser Linie nicht.

Wie viele Menschen leben auf Utö?

Rund 250 ganzjährig, dazu knapp 300 Ferienhäuser. Jährlich kommen etwa 70.000 Besucher.

Kann man auf Utö Fahrräder mieten?

Ja, direkt an der Gruvbryggan aus einem Bestand von über 300 Rädern für Erwachsene und Kinder. Auch auf Ålö gibt es Verleih.

Was hat es mit den Gruben auf sich?

Utö hat die ältesten Eisenerzgruben Schwedens. Der Abbau begann im 11. Jahrhundert, lief rund 700 Jahre und endete 1879. Die gefluteten Schächte sind bis heute zu sehen.

Welcher Strand ist der beste?

Für Sand die großen Strände auf Ålö und im Süden, für einen schnellen Sprung ins Wasser das Felsbad Rävstavik rund 500 Meter vom Värdshus. Flache Stellen für Kinder gibt es ebenfalls.

Kommt man von Utö nach Ålö?

Ja, über eine Schotterstraße. Die Verbindung ist 4,6 Kilometer lang und leicht begehbar, mit dem Rad in kurzer Zeit zu schaffen.

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