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Blasentang in den Schären: Schlüsselart mit schwankender Bilanz

Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Blasentang an der Wasseroberfläche im Flachwasser, dahinter ein runder Felsen mit Kiefern

An der Messstation Askö in den südlichen Stockholmer Schären wuchs der Blasentang bis 2010 bis in fünf Meter Tiefe - doppelt so tief wie zuvor. Danach fiel der Wert wieder auf 2,5 Meter zurück. Diese eine Zahlenreihe erzählt die Geschichte der Ostsee besser als jede Erfolgsmeldung: Die Erholung ist keine gerade Linie.

Warum Blasentang zählt

Fucus vesiculosus, auf Schwedisch blåstång, ist eine der wenigen Schlüsselarten der Ostsee. Er bildet Unterwasserwälder auf den flachen Felsböden der Schären, und in diesen Beständen leben zahllose andere Arten: Kleinkrebse, Schnecken, Jungfische, Laich. Verschwindet der Tang, verschwindet mit ihm der Lebensraum.

Das ist der Unterschied zu einer beliebigen Pflanze. Eine Schlüsselart trägt ein System; ihr Zustand ist deshalb ein Messwert für den Zustand des Ganzen.

Die Zahlen von Askö

Die Station Askö wird seit 1993 überwacht und liegt damit als eine der längsten Messreihen der Region vor. Der Verlauf: Bis 2010 verdoppelte sich die maximale Tiefenverbreitung von rund 2,5 auf 5 Meter, was als deutliche Erholung galt. Seither ist sie wieder auf etwa 2,5 Meter zurückgegangen.

Der Befund für den größeren Zusammenhang fällt nüchtern aus: In den südlichen Teilen der Ostsee hat sich die Lage des Blasentangs in den vergangenen 15 Jahren generell verschlechtert. Die 1990er Jahre brachten Verbesserungen, nach 2010 kehrte sich der Trend in mehreren Regionen um.

Wie tief er wo wächst

GebietTiefenverbreitung
Askö, südliche Stockholmer Schärenrund 2,5 m, zwischenzeitlich 5 m
Blekinge (2021)im Mittel 2,5 m, Sägetang bis 4,5 m
Gotlandmeist bis 9 m, in Spitzen bis 12 m
Höga Kusten, äußere Stationenrund 10 m

Der Unterschied zwischen 2,5 und 10 Metern ist kein Artenunterschied, sondern ein Lichtunterschied. Die Daten stammen aus der nationalen Umweltüberwachung, dokumentiert bei Sveriges vattenmiljö.

Warum die Tiefe die entscheidende Größe ist

Blasentang braucht Licht. Wie tief er wachsen kann, hängt davon ab, wie weit Licht ins Wasser dringt - und das hängt an der Trübung. Nährstoffüberschuss lässt Algen im freien Wasser wachsen, das Wasser wird trüber, und die Grenze, bis zu der Tang überleben kann, wandert nach oben.

Deshalb ist die Tiefenverbreitung der aussagekräftigste Einzelwert. Sie misst nicht den Tang, sondern die Wasserqualität. Der Rückgang bei Askö nach 2010 wird ausdrücklich mit schlechten Lichtverhältnissen infolge der Überdüngung in Verbindung gebracht.

Dieselbe Überdüngung zeigt sich an der Oberfläche als Algenblüte, meist Ende Juli. Was das für Badegäste heißt, steht im Beitrag über den nachhaltigen Tourismus in den Schären.

Smaltång: die Art, die es nur hier gibt

Neben dem Blasentang wächst in der Ostsee eine zweite Art, die es sonst nirgends auf der Welt gibt: Fucus radicans, auf Schwedisch smaltång. Sie wurde 2005 mithilfe genetischer Untersuchungen als eigene Art beschrieben - eine der wenigen endemischen Meeresarten der Ostsee überhaupt.

Smaltång wächst an der schwedischen Küste zwischen Öregrund und Umeå, entsprechend an der finnischen Küste und auf der estnischen Insel Saaremaa. Für die Stockholmer Schären heißt das: Sie liegen knapp südlich des Verbreitungsgebiets. Wer die Art sehen will, muss weiter nach Norden.

Bemerkenswert ist der Grund für ihre Existenz. Die Ostsee ist ein sehr junges und sehr salzarmes Meer; Arten, die sich hier an das Brackwasser anpassen, entwickeln sich unter Bedingungen, die es sonst nirgends gibt.

Wiederansiedlung

Seit einigen Jahren laufen Projekte, bei denen Blasentang gezielt wieder angesiedelt wird. Die Universität Stockholm hat dafür ein eigenes Handbuch zur Restaurierung von Blasentanggemeinschaften veröffentlicht.

Der Ansatz hat eine natürliche Grenze: Anpflanzen hilft dort, wo die Lichtverhältnisse ausreichen. Wo das Wasser zu trüb ist, überlebt auch neu ausgesetzter Tang nicht. Die Ursache liegt im Nährstoffeintrag, nicht im Fehlen von Pflanzen.

Wo Sie ihn sehen können

Am einfachsten mit Schnorchel. Im Naturreservat Björnö auf Ingarö gibt es bei Torpesand einen markierten Schnorchelpfad, erreichbar mit dem Bus ab Slussen und ohne Bootsfahrt. Die Sicht ist geringer als im Mittelmeer, dafür sehen Sie eine Unterwasserlandschaft, die es sonst nirgends gibt.

An Land finden Sie Blasentang als angespültes Material an fast jedem Ufer. Welche Arten sonst noch in den Schären vorkommen, steht im Beitrag über die Tierwelt der Schären.

Häufige Fragen zum Blasentang

Was ist Blasentang?

Eine Braunalge, die auf den Felsböden der Ostsee Unterwasserwälder bildet. Sie gilt als eine der wenigen Schlüsselarten der Ostsee, weil zahlreiche andere Arten in ihren Beständen leben.

Erholt sich der Bestand?

Nicht durchgehend. An der Station Askö stieg die Tiefenverbreitung bis 2010 von 2,5 auf 5 Meter und ging danach wieder auf 2,5 Meter zurück. In den südlichen Teilen der Ostsee hat sich die Lage in den letzten 15 Jahren generell verschlechtert.

Warum ist die Tiefenverbreitung so wichtig?

Weil sie die Lichtverhältnisse misst. Trübes Wasser durch Nährstoffüberschuss verschiebt die Grenze, bis zu der Tang wachsen kann, nach oben.

Was ist Smaltång?

Fucus radicans, eine Art, die es nur in der Ostsee gibt und die 2005 genetisch als eigenständig beschrieben wurde. Sie wächst nördlich der Stockholmer Schären zwischen Öregrund und Umeå.

Kann man Blasentang wieder anpflanzen?

Ja, entsprechende Projekte laufen. Sie funktionieren aber nur dort, wo genug Licht ins Wasser dringt.

Wo kann man ihn beobachten?

Am Schnorchelpfad bei Torpesand im Naturreservat Björnö auf Ingarö, das mit dem Bus ab Slussen erreichbar ist.

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