In vielen schwedischen Betrieben sind zwei Kaffeepausen am Tag eine ungeschriebene Regel. Fika heißt diese Institution – Kaffee, etwas Süßes und vor allem: Zeit. Wer die Schären besucht, lernt schnell, dass die Pause hier keine Unterbrechung des Tages ist, sondern sein Höhepunkt, am besten auf einer Terrasse mit Blick aufs Wasser.
Was Fika bedeutet
Fika ist Verb und Substantiv zugleich: Man macht nicht Pause, man fikar. Gemeint ist das bewusste Innehalten mit Kaffee oder Tee, Gebäck und Gesellschaft – im Büro, zu Hause oder im Café. Anders als der Espresso im Stehen ist Fika nie eilig. Genau deshalb passt sie so gut zu den Inseln, wo ohnehin der Bootsfahrplan das Tempo vorgibt.
Die Kanelbulle: jung, aber unverzichtbar
Das klassische Fika-Gebäck ist die Kanelbulle, die Zimtschnecke mit Hagelzucker. So alt, wie man denkt, ist sie nicht: Entstanden ist sie vermutlich in den 1920er-Jahren, als Butter, Zucker und Zimt nach dem Ersten Weltkrieg wieder erschwinglich wurden – zum Alltagsgebäck wurde sie erst in den 1950ern. Seit 1999 hat sie sogar einen eigenen Feiertag: Am 4. Oktober ist Kanelbullens dag, ausgerufen vom schwedischen Hembakningsrådet. Allein an diesem Tag essen die Schweden Millionen Zimtschnecken – 2019 waren es über neun Millionen. Wo es die besten gibt, sammelt Visit Sweden.
Fika-Orte in den Schären
Die vielleicht schönste Fika des inneren Schärengartens gibt es in Vaxholm: Das Hembygdsgårdens Café liegt auf einer Landzunge am Norrhamnen zwischen alten Holzhäusern, backt in der eigenen Bäckerei von früh bis spät und bietet von jedem Platz Blick aufs Wasser. Mehr zum Ort selbst im Porträt von Vaxholm. Auch auf Fjäderholmarna gehört die Kaffeepause zum Inselbesuch – zwischen Glashütte und Schokoladenwerkstatt, eine halbe Bootsstunde vor der Stadt. Und auf fast jeder größeren Insel mit Gästehafen findet sich ein Sommercafé am Steg; viele öffnen allerdings nur von Mai bis September.
Mehr als Zimtschnecken
Wer öfter fikar, arbeitet sich durchs Repertoire: Kardemummabullar (Kardamomschnecken), Prinzessinnentorte mit grünem Marzipan, Chokladbollar oder im Februar die Semla, das mit Mandelmasse und Sahne gefüllte Hefebrötchen. In den Schären kommt oft Rhabarber- und Beerenkuchen aus eigener Ernte dazu. Wie sich die Kaffeetafel in die übrige Inselküche einfügt, zeigt der Beitrag zur Kulinarik in den Schären.
So fikar man richtig
Es gibt keine Regeln, aber Gewohnheiten: Kaffee wird meist schwarz getrunken und gern nachgeschenkt (påtår, der Nachschlag, ist in vielen Cafés inklusive). Man setzt sich, auch wenn es nur zehn Minuten sind. Und man nimmt das Handy nicht in die Hand – Fika ist die Kunst, nichts anderes zu tun. Auf einer Klippe mit Thermoskanne funktioniert das übrigens genauso gut wie im Café; das Jedermannsrecht macht jede Schäre zur Terrasse.
Häufige Fragen zur Fika
Was ist Fika genau?
Die schwedische Kaffeepause: Kaffee oder Tee, etwas Süßes und bewusste Zeit, allein oder in Gesellschaft. In vielen Betrieben sind zwei Fika-Pausen am Tag üblich.
Was isst man zur Fika?
Klassisch die Kanelbulle mit Hagelzucker, daneben Kardamomschnecken, Prinzessinnentorte, Chokladbollar oder saisonal die Semla. In den Schären oft Kuchen mit Beeren aus eigener Ernte.
Wann ist der Tag der Zimtschnecke?
Am 4. Oktober. Den Kanelbullens dag gibt es seit 1999; allein 2019 wurden an diesem Tag über neun Millionen Zimtschnecken gegessen.