Fika in den Schären: Kaffee, Kanelbullar und fünf Verbote
Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 6. September 2026

In vielen schwedischen Betrieben sind zwei Kaffeepausen am Tag eine ungeschriebene Regel. Fika heißt diese Institution - Kaffee, etwas Süßes und vor allem: Zeit. Wer die Schären besucht, lernt schnell, dass die Pause hier keine Unterbrechung des Tages ist, sondern sein Höhepunkt, am besten auf einer Terrasse mit Blick aufs Wasser.
Was Fika bedeutet
Fika ist Verb und Substantiv zugleich: Man macht nicht Pause, man fikar. Gemeint ist das bewusste Innehalten mit Kaffee oder Tee, Gebäck und Gesellschaft - im Büro, zu Hause oder im Café. Anders als der Espresso im Stehen ist Fika nie eilig. Genau deshalb passt sie so gut zu den Inseln, wo ohnehin der Bootsfahrplan das Tempo vorgibt.
Die Kanelbulle: jung, aber unverzichtbar
Das klassische Fika-Gebäck ist die Kanelbulle, die Zimtschnecke mit Hagelzucker. So alt, wie man denkt, ist sie nicht: Entstanden ist sie um 1920, als Butter, Zucker, Mehl und Zimt nach dem Ersten Weltkrieg wieder in die Läden kamen. Billig war sie damit noch lange nicht - die Zutaten blieben teuer, und zum Alltagsgebäck wurde sie erst in den 1950er-Jahren, als sich das Selberbacken in den Haushalten durchsetzte. Im Backbuch Hemmets Stora Bakbok von 1934 steht das Rezept noch unter dem Namen Kanelbröd.
Seit 1999 hat sie einen eigenen Feiertag: Am 4. Oktober ist Kanelbullens dag, ausgerufen vom Hembakningsrådet, um genau dieses Selberbacken sichtbar zu machen. An diesem Tag verkaufen Cafés und Bäckereien Zimtschnecken in Mengen, die den Rest des Jahres nicht vorkommen - 2019 waren es über neun Millionen an einem einzigen Tag. Wo es die besten gibt, sammelt Visit Sweden.
Was Fika mit dem Kaffeeverbot zu tun hat
Der schwedische Kaffeekonsum hat eine ungewöhnliche Vorgeschichte: Zwischen 1756 und 1823 verhängte der Staat fünf Kaffeeverbote, unter anderem 1756, 1794, 1799 und 1817. Die Gründe waren wirtschaftlich und politisch zugleich: Kaffee war eine Importware, die mit Silber bezahlt wurde und die Handelsbilanz belastete, und Kaffeehäuser galten als Orte, an denen zu frei geredet wurde. Ärzte warnten zusätzlich vor Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Herzklopfen.
Als das letzte Verbot 1823 fiel, hatte sich der Kaffee längst durchgesetzt. Im 19. Jahrhundert breitete er sich von den Salons der Oberschicht in die Arbeiterhaushalte aus, weil die Importe stiegen und die Preise fielen.
Das Wort Fika gilt als Umstellung der Silben von kaffi, einer älteren Schreibweise für Kaffee. Es beschreibt nicht das Getränk, sondern den Anlass: sich hinsetzen, Zeit nehmen, mit jemandem reden. Ein Kaffee im Gehen ist keine Fika.
Fika-Orte in den Schären
Die vielleicht schönste Fika des inneren Schärengartens gibt es in Vaxholm: Das Hembygdsgårdens Café liegt auf einer Landzunge am Norrhamnen zwischen alten Holzhäusern, backt in der eigenen Bäckerei von früh bis spät und bietet von jedem Platz Blick aufs Wasser. Mehr zum Ort selbst im Porträt von Vaxholm. Auch auf Fjäderholmarna gehört die Kaffeepause zum Inselbesuch - zwischen Glashütte und Schokoladenwerkstatt, eine halbe Bootsstunde vor der Stadt. Und auf fast jeder größeren Insel mit Gästehafen findet sich ein Sommercafé am Steg; viele öffnen allerdings nur von Mai bis September.
Mehr als Zimtschnecken
Wer öfter fikar, arbeitet sich durchs Repertoire: Kardemummabullar (Kardamomschnecken), Prinzessinnentorte mit grünem Marzipan, Chokladbollar oder im Februar die Semla, das mit Mandelmasse und Sahne gefüllte Hefebrötchen. In den Schären kommt oft Rhabarber- und Beerenkuchen aus eigener Ernte dazu. Wie sich die Kaffeetafel in die übrige Inselküche einfügt, zeigt der Beitrag zur Kulinarik in den Schären.
So fikar man richtig
Es gibt keine Regeln, aber Gewohnheiten: Kaffee wird meist schwarz getrunken und gern nachgeschenkt (påtår, der Nachschlag, ist in vielen Cafés inklusive). Man setzt sich, auch wenn es nur zehn Minuten sind. Und man nimmt das Handy nicht in die Hand - Fika ist die Kunst, nichts anderes zu tun. Auf einer Klippe mit Thermoskanne funktioniert das übrigens genauso gut wie im Café; das Jedermannsrecht macht jede Schäre zur Terrasse.
Häufige Fragen zur Fika
Was ist Fika genau?
Die schwedische Kaffeepause: Kaffee oder Tee, etwas Süßes und bewusste Zeit, allein oder in Gesellschaft. In vielen Betrieben sind zwei Fika-Pausen am Tag üblich.
Was isst man zur Fika?
Klassisch die Kanelbulle mit Hagelzucker, daneben Kardamomschnecken, Prinzessinnentorte, Chokladbollar oder saisonal die Semla. In den Schären oft Kuchen mit Beeren aus eigener Ernte.
Wann ist der Tag der Zimtschnecke?
Am 4. Oktober. Den Kanelbullens dag gibt es seit 1999; allein 2019 wurden an diesem Tag über neun Millionen Zimtschnecken gegessen.
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