Kräftskiva: warum im August gefeiert wird
Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 6. September 2026

Ende August, wenn die Abende kürzer werden, hängen an den Stegen der Schären bunte Papierlaternen. Auf den Tischen türmen sich in Dill gekochte Krebse, dazu Schnaps, Bier und Lieder. Die Kräftskiva, das schwedische Krebsessen, ist nach Midsommar das zweite große Sommerfest unter freiem Himmel - und eng mit dem Leben auf den Inseln verbunden.
Warum ausgerechnet im August?
Der Termin ist kein Zufall, sondern ein Rest Gesetzgebung. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1994 galt in Schweden ein Verbot des Krebsfangs von November bis Anfang August, das die Bestände vor Überfischung schützen sollte. Gefischt werden durfte zuerst ab dem 7. August um 17 Uhr, ab 1982 ab dem ersten Mittwoch im August zur selben Stunde. Aus der ersehnten Freigabe - der kräftpremiär - wurde rasch ein Fest.
Das Verbot ist seit über drei Jahrzehnten aufgehoben, der Termin ist geblieben: Bis heute liegt die Hauptzeit der Kräftskivor im August, obwohl niemand mehr auf ein Datum warten muss. So beschreibt es das Institut für Sprache und Volksüberlieferung.
Vom Adelsessen zum Volksfest
Krebse zu essen war in Schweden lange ein Vorrecht der Oberschicht - im 16. Jahrhundert bediente sich vor allem der Adel. Über das 18. und 19. Jahrhundert breitete sich der Brauch aus. Das Wort kräftskiva ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts belegt; das „skiva” darin kommt von „bordsskiva”, der Tischplatte. Die Ausstattung, die wir heute kennen, nahm schon in den 1920ern Form an: die spitzen Papierhüte, die Mondlaternen mit dem Mann im Mond, Lätzchen und die Schnapslieder. Zum landesweiten Volksfest wurde die Kräftskiva dann in den 1960er-Jahren.
Warum die Krebse aus dem Ausland kommen
1907 brach in Schweden die Krebspest aus und vernichtete große Teile der einheimischen Bestände. Der heimische Edelkrebs (flodkräfta) ist seither rar und teuer; als Ersatz wurde der nordamerikanische Signalkrebs eingesetzt, der heute einen Großteil der schwedischen Fänge ausmacht.
Für die Festtafeln reicht das bei Weitem nicht. Die meisten Krebse stammen aus dem Import - vor allem aus der Türkei, aus China und den USA -, und Schweden gehört zu den größten Krebsimporteuren der Welt. Frische, in Schweden gefangene Krebse bleiben die teure Ausnahme.
Der Brauch selbst ist ebenfalls eingeführt: Er stammt ursprünglich aus Deutschland und verbreitete sich seit dem 16. Jahrhundert von der schwedischen Oberschicht in alle Gesellschaftsschichten. Ein Plakat des Künstlers Albert Engström von 1922 machte die Verbindung von Krebsen und Schnaps zum politischen Motiv - derselbe Engström, der zur Künstlergruppe rund um Bullerö gehörte.
Wie gegessen und getrunken wird
Die Krebse werden in Salzwasser mit reichlich Dill gekocht - am besten mit Kronendill, der erst nach der Blüte geerntet wird - und kalt serviert. Gegessen wird mit den Fingern, geschlürft und ausgesaugt, ohne Eile. Dazu gehören Brot, Västerbottenkäse und oft eingelegter Hering. Getrunken werden Bier und Schnaps, und vor jedem Glas wird gesungen: Die snapsvisor sind Pflicht, das bekannteste ist „Helan går”. Wie sich das in die übrige Schärenküche aus Fisch und Meeresfrüchten einfügt, lesen Sie im eigenen Beitrag. Visit Sweden beschreibt Ablauf und Bräuche der crayfish party im Detail.
Gefeiert wird draußen, am liebsten am Steg
Ihre eigentliche Bühne hat die Kräftskiva in den Schären. Gefeiert wird im Freien, auf der Terrasse des Sommerhauses oder direkt am Bootssteg, wenn die Laternen über dem dunkler werdenden Wasser leuchten. Zusammen mit den Midsommar-Traditionen bildet das Krebsfest den Rahmen des schwedischen Insel-Sommers: das eine markiert seinen hellen Höhepunkt, das andere seinen langsamen Ausklang.
Häufige Fragen zur Kräftskiva
Wann findet die Kräftskiva statt?
Im August, traditionell ab dem ersten Mittwoch des Monats, und oft bis in den September hinein. Ein festes Datum gibt es heute nicht mehr.
Warum trägt man Papierhüte und hängt Mondlaternen auf?
Diese Ausstattung entstand in den 1920er-Jahren und gehört seither fest zum Fest: spitze Papierhüte, Lätzchen und Laternen mit dem Mann im Mond.
Sind die Krebse aus Schweden?
Meist nicht. Heimische Edelkrebse sind selten und teuer, ein Teil der Fänge sind Signalkrebse, und das Gros der servierten Krebse wird importiert.
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