Ein Julbord isst man nicht, man arbeitet es ab – in festen Runden, mit jedes Mal frischem Teller. Das schwedische Weihnachtsbuffet ist die kulinarische Antwort auf die dunkelste Zeit des Jahres, und in den Schären hat es eine besondere Bühne: historische Gasthöfe am Wasser und Schiffe, auf denen das Buffet gleich mitfährt.
Vom Fastenbrechen zum Buffet
Die Wurzeln reichen weit zurück – schon zur Wikingerzeit sprach man davon, „Weihnachten zu trinken“. Im Mittelalter wurde im Advent gefastet, Fleisch war tabu; gebrochen wurde das Fasten zum Fest, dann aber gründlich. Das Julbord in seiner heutigen Form als reich gedecktes Buffet entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts und ist heute fester Bestandteil des schwedischen Dezembers – Restaurants servieren es meist von Mitte November bis kurz vor Weihnachten. Einen Überblick über die Weihnachtsbräuche gibt Visit Sweden.
Der Fahrplan: in Runden essen
Ein Julbord folgt einer Ordnung, den sogenannten Runden (turer). Zum Auftakt gibt es oft ein Glas Glögg. Dann beginnt man beim Fisch: Hering in mehreren Varianten, Graved Lachs, dazu gekochte Kartoffeln. Es folgen die kalten Fleischgerichte – und deren Star, der Julskinka. Der gepökelte Weihnachtsschinken wird langsam in Brühe gegart und bekommt sein Finish durch die Griljering: eine Kruste aus Senf, Eigelb und Paniermehl, kurz im Ofen überbacken. Danach kommen die warmen Gerichte, ehe Süßes und Käse den Abschluss machen. Wichtigste Regel: für jede Runde einen frischen Teller – und keine Eile.
Was auf den Tisch kommt
| Runde | Typische Gerichte |
|---|---|
| 1. Kalter Fisch | eingelegter Hering in mehreren Varianten, gebeizter und geräucherter Lachs, Aal |
| 2. Kalte Speisen | Weihnachtsschinken mit Senf, Pasteten, Leberpastete, Käse, Knäckebrot |
| 3. Warme Speisen | Köttbullar, Prinzwürstchen, Janssons frestelse, Rotkohl, Grünkohl |
| 4. Süßes | Reisbrei, Pfefferkuchen, Käse und Obst |
Die Reihenfolge ist kein Vorschlag, sondern die Konvention: Wer gleich in der ersten Runde Köttbullar auflädt, gibt sich als Gast zu erkennen. Zwischen den Runden wird Pause gemacht.
Warum es diese Reihenfolge gibt
Der Brauch, zu Weihnachten groß aufzutischen, reicht bis in die Wikingerzeit zurück, aus der die Wendung stammt, man „trinke Weihnachten“. Das Buffet in seiner heutigen Form entstand jedoch später, als sich das Smörgåsbord als Bewirtungsform durchsetzte.
Der praktische Hintergrund passt zur Region: Vor der Kühltechnik wurden Fisch und Fleisch für den Winter eingesalzen, geräuchert und eingelegt. Das Julbord versammelt genau diese Konservierungsmethoden auf einem Tisch. In den Schären, wo Fisch bis weit ins 20. Jahrhundert die Grundlage war, ist der Heringsteil deshalb kein Beiwerk – mehr dazu im Beitrag über das Essen in den Schären.
Julbord in den Schären
Julbord in den Schären
Rund um Stockholm servieren mehrere Schären-Klassiker ihr eigenes Julbord. Im Waxholms Hotell in Vaxholm steht das Buffet im historischen Speisesaal mit Blick über den Schärenhof. Auf der autofreien Insel Grinda lädt das Wärdshus zum Fest – die Anreise per Boot gehört zum Erlebnis. Gerade in der dunklen Jahreszeit zeigt sich dabei eine Seite der Inseln, die Sommergäste nie sehen; mehr dazu im Beitrag über den Winter in den Schären.
Julbord auf dem Schiff
Die Stockholmer Variante ist die Julbordskryssning: Bei Strömma wird das Weihnachtsbuffet auf klassischen Schärenschiffen wie der M/S Waxholm III serviert, als Mittags- oder Abendfahrt durch den winterlichen Schärengarten. Hering, Lachs und Julskinka an Bord, draußen ziehen die verschneiten Inseln vorbei – eine Kombination, die es so nur hier gibt. Beliebte Termine sind schnell ausgebucht; reservieren Sie für Dezember-Wochenenden früh.
Praktisches für die Planung
Reservieren. Julbord-Termine in den Schären sind begrenzt und oft Wochen vorher ausgebucht, weil die meisten Häuser im Dezember nur an einzelnen Tagen öffnen.
Die Rückfahrt prüfen. Im Winter ist der Fahrplan ausgedünnt, und auf kleineren Inseln fährt das letzte Boot am frühen Nachmittag. Bei einem Abendessen auf einer Insel bedeutet das in der Regel: übernachten. Welche Häuser im Winter offen haben, steht im Beitrag über den Winter in den Schären.
Getränke. Restaurants haben eigene Ausschanklizenzen. Wer selbst einkaufen will, muss auf dem Festland vorsorgen: Systembolaget-Filialen gibt es auf keiner Insel, samstags schließen sie um 15 Uhr und sonntags gar nicht. Details im Beitrag über Bier und Alkohol in den Schären.
Häufige Fragen zum Julbord
Häufige Fragen zum Julbord
Was gehört zu einem Julbord?
Hering und Lachs zum Auftakt, kalte Fleischgerichte mit dem griljerten Julskinka als Herzstück, warme Gerichte und zum Schluss Süßes. Gegessen wird in Runden mit jeweils frischem Teller.
Wann gibt es Julbord?
In Restaurants meist von Mitte November bis kurz vor Weihnachten. Beliebte Häuser und Schiffstermine sind oft Wochen im Voraus ausgebucht.
Wo isst man ein Julbord in den Schären?
Zum Beispiel im Waxholms Hotell in Vaxholm oder im Wärdshus auf Grinda – oder gleich auf dem Wasser, bei einer Julbord-Kreuzfahrt auf klassischen Schärenschiffen.
Was ist der Julskinka?
Der schwedische Weihnachtsschinken: gepökelt, langsam in Brühe gegart und mit einer Kruste aus Senf, Eigelb und Paniermehl überbacken (Griljering).