Ein Julbord isst man nicht, man arbeitet es ab – in festen Runden, mit jedes Mal frischem Teller. Das schwedische Weihnachtsbuffet ist die kulinarische Antwort auf die dunkelste Zeit des Jahres, und in den Schären hat es eine besondere Bühne: historische Gasthöfe am Wasser und Schiffe, auf denen das Buffet gleich mitfährt.
Vom Fastenbrechen zum Buffet
Die Wurzeln reichen weit zurück – schon zur Wikingerzeit sprach man davon, „Weihnachten zu trinken“. Im Mittelalter wurde im Advent gefastet, Fleisch war tabu; gebrochen wurde das Fasten zum Fest, dann aber gründlich. Das Julbord in seiner heutigen Form als reich gedecktes Buffet entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts und ist heute fester Bestandteil des schwedischen Dezembers – Restaurants servieren es meist von Mitte November bis kurz vor Weihnachten. Einen Überblick über die Weihnachtsbräuche gibt Visit Sweden.
Der Fahrplan: in Runden essen
Ein Julbord folgt einer Ordnung, den sogenannten Runden (turer). Zum Auftakt gibt es oft ein Glas Glögg. Dann beginnt man beim Fisch: Hering in mehreren Varianten, Graved Lachs, dazu gekochte Kartoffeln. Es folgen die kalten Fleischgerichte – und deren Star, der Julskinka. Der gepökelte Weihnachtsschinken wird langsam in Brühe gegart und bekommt sein Finish durch die Griljering: eine Kruste aus Senf, Eigelb und Paniermehl, kurz im Ofen überbacken. Danach kommen die warmen Gerichte, ehe Süßes und Käse den Abschluss machen. Wichtigste Regel: für jede Runde einen frischen Teller – und keine Eile.
Julbord in den Schären
Rund um Stockholm servieren mehrere Schären-Klassiker ihr eigenes Julbord. Im Waxholms Hotell in Vaxholm steht das Buffet im historischen Speisesaal mit Blick über den Schärenhof. Auf der autofreien Insel Grinda lädt das Wärdshus zum Fest – die Anreise per Boot gehört zum Erlebnis. Gerade in der dunklen Jahreszeit zeigt sich dabei eine Seite der Inseln, die Sommergäste nie sehen; mehr dazu im Beitrag über den Winter in den Schären.
Julbord auf dem Schiff
Die Stockholmer Variante ist die Julbordskryssning: Bei Strömma wird das Weihnachtsbuffet auf klassischen Schärenschiffen wie der M/S Waxholm III serviert, als Mittags- oder Abendfahrt durch den winterlichen Schärengarten. Hering, Lachs und Julskinka an Bord, draußen ziehen die verschneiten Inseln vorbei – eine Kombination, die es so nur hier gibt. Beliebte Termine sind schnell ausgebucht; reservieren Sie für Dezember-Wochenenden früh.
Häufige Fragen zum Julbord
Was gehört zu einem Julbord?
Hering und Lachs zum Auftakt, kalte Fleischgerichte mit dem griljerten Julskinka als Herzstück, warme Gerichte und zum Schluss Süßes. Gegessen wird in Runden mit jeweils frischem Teller.
Wann gibt es Julbord?
In Restaurants meist von Mitte November bis kurz vor Weihnachten. Beliebte Häuser und Schiffstermine sind oft Wochen im Voraus ausgebucht.
Wo isst man ein Julbord in den Schären?
Zum Beispiel im Waxholms Hotell in Vaxholm oder im Wärdshus auf Grinda – oder gleich auf dem Wasser, bei einer Julbord-Kreuzfahrt auf klassischen Schärenschiffen.
Was ist der Julskinka?
Der schwedische Weihnachtsschinken: gepökelt, langsam in Brühe gegart und mit einer Kruste aus Senf, Eigelb und Paniermehl überbacken (Griljering).