Essen in den Schären: Strömming, Surströmming und Einkehr
Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Auf einer Speisekarte in den Schären finden Sie heute vieles, aber keinen Ostseedorsch. Seit 2019 ist der gezielte Fang im östlichen Ostseebestand verboten, seit 2022 auch im westlichen, und für 2026 empfehlen die Fischereiwissenschaftler des ICES weiterhin einen Nullfang. Was ein Dorschgericht in einem Schärenlokal ist, kommt also von woanders.
Der Dorsch ist weg
Bis 2019 wurde der östliche Ostseebestand befischt. Dann brach er zusammen, und die gezielte Fischerei wurde untersagt. Das Verbot allein hat nicht gereicht: Nach der jüngsten Bestandsbewertung sind Wachstum, Kondition und Größe bei Geschlechtsreife weiter stark zurückgegangen. Als Ursachen gelten sauerstoffarme Böden und wärmeres Wasser.
Für Reisende ist das mehr als eine Fußnote. Es erklärt, warum die Fischtheken in den Inselläden anders aussehen, als das Klischee vom Fischerdorf erwarten lässt, und warum lokale Betriebe stärker auf geräucherte und eingelegte Ware setzen als auf frischen Weißfisch.
Was hier tatsächlich gefangen wird
Der Fisch der Schären ist der Strömming, der Ostseehering: kleiner und magerer als der Nordseehering, weil das Brackwasser der Ostsee weniger Salz und weniger Nahrung bietet. Er wird gebraten, eingelegt, geräuchert und zu Surströmming vergoren.
Dazu kommen die Süßwasserarten, die im Brackwasser der inneren und mittleren Schären gut zurechtkommen: Barsch, Hecht und Zander. Genau diese Mischung macht das Gebiet aus - eine Zone, in der Süß- und Salzwasserarten nebeneinander vorkommen. Welche Arten wo leben, steht im Beitrag über die Tierwelt der Schären.
Die Fischerei selbst war bis weit in die 1980er Jahre die wichtigste Einnahmequelle vieler Inselbewohner, etwa auf Möja. Heute ist sie ein Nebenerwerb unter vielen.
Surströmming: dritter Donnerstag im August
Der vergorene Ostseehering ist das bekannteste und umstrittenste schwedische Lebensmittel. Bis 1998 war der Verkaufsstart gesetzlich geregelt; seither gibt es keine Vorschrift mehr, aber die Hersteller halten überwiegend am dritten Donnerstag im August fest. 2026 fiel dieser Termin auf den 20. August.
Gegessen wird Surströmming klassisch mit Tunnbröd, gekochten Mandelkartoffeln, Zwiebeln und Sauerrahm - und in aller Regel im Freien, weil sich der Geruch in Innenräumen hartnäckig hält. Wer ihn zum ersten Mal probiert, sollte sich einladen lassen, statt eine Dose im Ferienhaus zu öffnen: Der Überdruck in der Dose ist real, und das Öffnen unter Wasser ist keine Folklore, sondern die übliche Methode.
Der Kalender: was wann gegessen wird
| Anlass | Zeitpunkt | Was auf den Tisch kommt |
|---|---|---|
| Kräftskiva | August | Flusskrebse, Dill, Käse, Schnaps |
| Surströmmingspremiär | dritter Donnerstag im August | vergorener Ostseehering, Tunnbröd, Mandelkartoffeln |
| Julbord | Dezember | eingelegter Hering, Lachs, Schinken, Köttbullar |
| Fika | täglich | Kaffee, Kanelbullar |
Zu den drei Festessen gibt es eigene Beiträge: zur Kräftskiva, zum Julbord und zur Fika, die in Schweden keine Pause ist, sondern ein eigener Termin.
Wo Sie auf den Inseln einkehren
| Insel | Adresse | Besonderheit |
|---|---|---|
| Sandhamn | Sandhamns Värdshus | geht auf ein Wirtshaus von 1672 zurück |
| Grinda | Grinda Wärdshus | steht seit 1906 über dem Saxarfjärden |
| Fjäderholmarna | Rökeriet und weitere | Räucherei, Brauerei und mehrere Lokale auf einer Insel |
| Möja | Berg und Ramsmora | Restaurant in Ramsmora ganzjährig geöffnet |
| Utö | Utö Värdshus | mehrere Häuser mit Restaurant und Zimmern |
Die entscheidende Einschränkung ist überall dieselbe: die Saison. Der überwiegende Teil der Inselgastronomie läuft von Mai bis September. Ganzjährig geöffnet sind nur einzelne Häuser auf den bewohnten Inseln.
Selber angeln
Angeln mit Handgerät, also mit Rute oder Handleine, ist entlang der schwedischen Küste und damit im gesamten Schärengarten kostenlos und ohne Erlaubnisschein erlaubt - auch für Gäste aus dem Ausland. Das ist Teil des Jedermannsrechts.
Was das nicht abdeckt: Netze, Reusen und die Binnenseen auf den Inseln, für die eigene Regeln gelten. Und Mindestmaße und Schonzeiten gelten selbstverständlich weiterhin. Wer sich führen lassen will, findet Anbieter im Beitrag über geführte Angeltouren.
Einkaufen auf den Inseln
Lebensmittelläden gibt es auf Arholma, Yxlan, Finnhamn, Ingmarsö, Svartsö, Möja, Grinda, Sandhamn, Runmarö, Nämdö, Ornö, Utö, Rånö, Nåttarö und Landsort - allerdings mit sehr unterschiedlichen Öffnungszeiten. Mehrere davon haben nur im Sommer oder an einzelnen Wochentagen geöffnet.
Alkohol über 3,5 Volumenprozent bekommen Sie auf keiner Insel spontan: Systembolaget-Filialen gibt es dort nicht, nur Vertretungen mit Vorbestellung. Details dazu im Beitrag über Bier in den Schären. Kaufen Sie auf dem Festland ein - Handgepäck bis 30 Kilogramm fährt auf den Booten kostenlos mit.
Häufige Fragen zum Essen in den Schären
Gibt es in den Schären noch Ostseedorsch?
Nicht aus eigenem Fang. Seit 2019 ist der gezielte Fang im östlichen Ostseebestand verboten, seit 2022 auch im westlichen. Für 2026 raten die ICES-Wissenschaftler weiterhin zu einem Nullfang.
Was ist Strömming?
Der Ostseehering, kleiner und magerer als der Nordseehering. Er ist der klassische Fisch der Schären und wird gebraten, eingelegt, geräuchert oder zu Surströmming vergoren.
Wann ist Surströmming-Premiere?
Traditionell am dritten Donnerstag im August, 2026 also am 20. August. Eine gesetzliche Regelung dazu gibt es seit 1998 nicht mehr.
Darf man in den Schären angeln?
Ja, mit Rute oder Handleine entlang der Küste kostenlos und ohne Schein, auch als ausländischer Gast. Netze, Reusen und Binnenseen sind davon ausgenommen.
Welche Restaurants haben im Winter geöffnet?
Nur einzelne Häuser auf den ganzjährig bewohnten Inseln, etwa das Restaurant in Ramsmora auf Möja. Der Großteil der Inselgastronomie läuft von Mai bis September.
Kann man auf den Inseln einkaufen?
Auf rund fünfzehn Inseln gibt es Lebensmittelläden, viele davon nur im Sommer oder an einzelnen Tagen. Alkohol über 3,5 Prozent gibt es nur auf Vorbestellung.
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