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Tierwelt der Schären: Seeadler, Robben und wer sonst hier lebt

Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Seeadler im Flug dicht über dem Wasser, im Hintergrund eine Felsinsel mit Kiefern

2026 wurde der Seeadler von der schwedischen Roten Liste gestrichen. Als das Rettungsprojekt 1971 begann, gab es in ganz Schweden noch rund ein Dutzend Brutpaare, und 1973 zählte man an der gesamten Ostküste sechs Jungvögel. Heute leben über 2.500 Seeadler an Schwedens Küsten und Binnenseen. Kaum eine andere Art zeigt so deutlich, was in den Schären in fünfzig Jahren passiert ist.

Der Seeadler: vom Dutzend zur Normalität

Der Rückgang hatte eine chemische Ursache. Umweltgifte aus der Nahrungskette - DDT und sein Abbauprodukt DDE, PCB und weitere chlorierte Verbindungen - führten zu dünnen Eischalen und ausbleibendem Nachwuchs. Seeadlereier enthielten die höchsten Konzentrationen stabiler Umweltgifte, die in der Ostsee je gemessen wurden.

Die Zahlen dazu: Bis in die 1950er Jahre bekamen im Schnitt 72 Prozent der Paare Junge. In den 1970er Jahren waren es noch etwa 20 Prozent. Zwischen 1965 und 1985 wuchsen kaum Jungvögel auf.

Was half, war eine Kombination aus Verboten und Handarbeit: Methylquecksilber, DDT und PCB wurden verboten, und Hunderte Freiwillige legten über Jahrzehnte giftfreies Futter aus, bewachten Horste und beringten Vögel. Das Projekt Havsörn lief von 1971 bis 2015 und war das erste Artenschutzprojekt Schwedens. Der Bruterfolg liegt heute wieder fast auf dem Niveau vor der Krise.

Die Robben: drei Kurven

Bei der Kegelrobbe verlief die Entwicklung ähnlich dramatisch und in derselben Reihenfolge: erst Jagd, dann Gift, dann Erholung.

ZeitpunktKegelrobben in der Ostsee
um 1900rund 80.000 bis 100.000
2000geschätzt 15.631
2012gut 28.000, davon knapp 15.000 in Schweden
heutegeschätzt 60.000 bis 80.000

Der Absturz zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging auf intensive Bejagung zurück. In den 1960er Jahren kam ein zweites Problem dazu: PCB und DDT machten viele Weibchen unfruchtbar. Nach dem Verbot beider Stoffe Ende der 1970er Jahre begann die Erholung, und seit Mitte der 1980er wächst der Bestand wieder.

Neben der Kegelrobbe leben in der Ostsee der Seehund und die Ringelrobbe. Bei Zählungen aus der Luft werden nur die Tiere erfasst, die gerade auf den Felsen liegen - deshalb liegen Zählergebnis und Schätzung weit auseinander.

Die Vögel der Außenschären

Auf den vegetationsarmen Außenschären brüten Seevögel in Kolonien, weil dort keine Landraubtiere hinkommen. Genannt werden für die Schutzgebiete unter anderem Eiderente, Trauerente, Samtente und mehrere Möwenarten sowie die Alkenvögel Trottellumme, Tordalk und Gryllteiste.

Genau diese Kolonien sind der Grund für die Sperrzeiten: Vom 1. Februar bis 15. August, in einzelnen Gebieten bis Ende August, gilt Betretungsverbot mit 100 Metern Mindestabstand. Details im Beitrag über die Vogelschutzgebiete.

Für Zugvögel ist der Süden des Schärengartens der Hotspot. An der Vogelstation auf Landsort werden jährlich über 12.000 Vögel dokumentiert und beringt.

Was an Land lebt

Die Landtierwelt ist reicher, als man einer Inselgruppe zutraut. Auf Möja etwa kommen Elch, Reh, Dachs, Biber und Marder vor, dazu Seevögel aller Art.

Der Elch ist dabei der überraschendste Bewohner, weil er schwimmt. Elche wechseln zwischen Inseln, und auf größeren Schäreninseln gibt es feste Bestände. Mehr dazu im Beitrag über Elche in den Schären.

Die Fische: Brackwasser als Mischzone

Die Ostsee ist salzarm, und deshalb kommen in den Schären Süß- und Salzwasserarten nebeneinander vor. In den inneren und mittleren Zonen sind Hecht, Barsch und Zander die prägenden Arten, weiter draußen kommen Meerforelle und der Ostseehering dazu.

Eine Art fehlt: Der gezielte Dorschfang ist seit 2019 im östlichen Ostseebestand verboten, seit 2022 auch im westlichen, und die Fischereiwissenschaftler des ICES raten für 2026 weiterhin zu einem Nullfang. Als Ursachen gelten sauerstoffarme Böden und wärmeres Wasser. Was das für die Küche bedeutet, steht im Beitrag über das Essen in den Schären, was für Angler im Beitrag über das Angeln.

Die Grundlage des Ganzen liegt unter Wasser: Der Blasentang bildet die Unterwasserwälder, in denen Jungfische aufwachsen. Wie es um ihn steht, steht im Beitrag über den Blasentang.

Wo Sie was sehen können

Seeadler sehen Sie vom Linienboot aus, ohne besondere Anstrengung. Achten Sie auf große Vögel mit brettartig gerade gehaltenen Flügeln über offenem Wasser; im Winter sind sie leichter zu entdecken, weil die Bäume kahl sind.

Robben liegen auf kleinen Felsschären weit draußen. Aus der Distanz mit dem Fernglas ist die Beobachtung erlaubt und die einzige sinnvolle Variante - die Liegeplätze selbst sind Schutzgebiete.

Seevögel beobachten Sie ab Mitte August, wenn die Sperrzeiten enden, und von Beobachtungstürmen wie im Naturreservat Björnö, das ohne Boot erreichbar ist.

Abstand halten ist keine Empfehlung

Die 100-Meter-Regel wird durchgesetzt. Ein Mann, der im Mai 2024 im Robbenschutzgebiet Själberget an Land ging, um Robben zu fotografieren, zahlte 30.000 Kronen.

Der Grund ist nicht Bürokratie: Aufgeschreckte Robben verlassen die Liegeplätze und lassen Jungtiere zurück, und ein aufgescheuchter Brutvogel gibt das Gelege innerhalb von Sekunden an Möwen und Krähen preis. Die Erholung von Seeadler und Robbe hat fünfzig Jahre gedauert. Sie beruht darauf, dass man sie in Ruhe lässt.

Häufige Fragen zur Tierwelt der Schären

Wie viele Seeadler gibt es in Schweden?

Über 2.500 an Küsten und Binnenseen. 1971, zu Beginn des Rettungsprojekts, waren es rund ein Dutzend Brutpaare. 2026 wurde die Art von der Roten Liste gestrichen.

Warum war der Seeadler fast ausgestorben?

Wegen DDT, PCB und anderer chlorierter Umweltgifte in der Nahrungskette, die zu dünnen Eischalen führten. In den 1970er Jahren bekamen nur noch etwa 20 Prozent der Paare Junge, vorher waren es 72 Prozent.

Wie viele Robben leben in der Ostsee?

Die Kegelrobbe wird auf 60.000 bis 80.000 Tiere geschätzt. Um 1900 waren es 80.000 bis 100.000, im Jahr 2000 nur noch gut 15.000.

Kann man in den Schären Elche sehen?

Ja. Auf größeren Inseln wie Möja gibt es feste Bestände, dazu kommen Reh, Dachs, Biber und Marder. Elche schwimmen zwischen den Inseln.

Welche Fische leben in den Schären?

Im Brackwasser mischen sich Süß- und Salzwasserarten: Hecht, Barsch und Zander in den inneren Zonen, Meerforelle und Ostseehering weiter draußen. Der Dorschbestand ist zusammengebrochen.

Darf man Robben aus der Nähe beobachten?

Nein. Robbenschutzgebiete sind vom 1. Februar bis 15. August gesperrt, der Mindestabstand beträgt 100 Meter. Verstöße werden mit hohen Geldbußen geahndet.

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