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Nationalparks im Schärengarten: Ängsö und Nämdöskärgården

Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Trampelpfad durch eine blühende Wiese entlang der Küste, dazwischen knorrige Laubbäume

Am 5. September 2025 bekam der Stockholmer Schärengarten seinen zweiten Nationalpark. Nämdöskärgården ist Schwedens 31. Nationalpark - und der erste marine in der Ostsee. Bis dahin stand hier nur Ängsö unter diesem Schutz, ein Park, der seit 1909 existiert und zu den ältesten Europas zählt.

Ängsö: Kulturlandschaft von 1909

Ängsö liegt im nördlichen Schärengarten, im Herzen des Roslagen, und ist ein ungewöhnlicher Nationalpark: Geschützt wird hier keine Wildnis, sondern eine bäuerliche Kulturlandschaft des 19. Jahrhunderts. Der Park umfasst 195 Hektar, davon 81 Hektar Land - Schären, Wiesen, Weiden und Mischwald. Damit die Flächen offen bleiben, wird bis heute traditionell gemäht und beweidet. Im Frühjahr und Frühsommer stehen die Wiesen in voller Blüte, mit mehreren Orchideenarten. Details bei der Länsstyrelsen Stockholm.

Anreise nach Ängsö

Im Frühjahr und Sommer fährt die Waxholmsbolaget ab Strömkajen in Stockholm sowie ab Furusund; in Furusund gibt es Anschluss an SL-Busse nach Norrtälje und Stockholm. Außerhalb der Saison kommen Sie nur mit eigenem Boot oder Wassertaxi hin - der Besuch ist also ein Sommerprogramm.

Nämdöskärgården: 97 Prozent Meer

Der neue Park schützt etwas, das in Schweden bisher keinen Nationalparkstatus hatte: die Ostsee selbst. Über tausend Inseln, Schären und Klippen gehören dazu, und 97 Prozent der Parkfläche sind Wasser - flache Buchten, tiefere Muschelbänke, eine Unterwasserwelt, die man von oben nicht sieht. Der Haupteingang liegt auf der Insel Bullerö. Informationen sammelt Sveriges Nationalparker.

Wie der Park entstand

Der schwedische Reichstag beschloss die Einrichtung am 17. Juni 2025, die Regierung zog kurz darauf nach. Eingeweiht wurde der Park am 5. September 2025, begleitet von einer Einweihungswoche vom 4. bis 14. September im Kulturhaus von Värmdö.

Neu geschaffen wurde dabei nicht alles: Der Park umfasst die früheren Naturschutzgebiete Bullerö und Långviksskär und legt ein großes Meeresgebiet dazu. Was vorher in Teilen geschützt war, ist jetzt ein zusammenhängendes System über und unter Wasser. Die Grundlagen führt die Gemeinde Värmdö.

Bullerö: der Eingang zum Park

Die Insel Bullerö ist der Haupteinstiegspunkt und beherbergt das Informationszentrum des Nationalparks. Sie hat außerdem die interessanteste Vorgeschichte im ganzen Gebiet: Der Maler Bruno Liljefors kaufte sie 1908 samt 300 umliegender Inseln und baute im Jahr darauf ein Atelier; um ihn sammelte sich eine Gruppe von Künstlern, zu der auch Anders Zorn und Albert Engström gehörten.

1923 verkaufte Liljefors an Torsten Kreuger, und 1967 gab dieser 900 Inseln für vier Millionen Kronen an den Staat ab, obwohl ihm bis zu 80 Millionen geboten worden waren - unter der Bedingung, dass daraus ein Naturschutzgebiet mit öffentlichem Zugang wird. Ohne diese Entscheidung gäbe es den heutigen Nationalpark vermutlich nicht. Mehr dazu im Beitrag über die abgelegenen Inseln.

Auf Bullerö gibt es Wanderwege verschiedener Schwierigkeitsgrade, eine Badestelle, ein Gästehaus, drei vermietete Torpe, eine Sauna und Liljefors‘ Jagdhütte von 1909 als Ausstellungsraum. Erreichbar ist die Insel mit eigenem Boot, Taxiboot oder saisonalen Ausflugsfahrten.

Welche Regeln im Park gelten

Rund um Bullerö liegen drei Vogelschutzgebiete - Långskär, Koskären und Rågskär - mit Betretungsverbot vom 1. Februar bis 15. August und einem Mindestabstand von 100 Metern. Dieselben Fristen gelten für Robbenschutzgebiete.

Das ist keine Formalie: Ein Mann, der 2024 in einem Robbenschutzgebiet an Land ging, zahlte 30.000 Kronen. Die Einzelheiten stehen im Beitrag über die Vogelschutzgebiete.

Die beiden Parks im Vergleich

ÄngsöNämdöskärgården
Seit19095. September 2025
Fläche195 ha, davon 81 ha Landüber tausend Inseln, 97 Prozent Wasser
Geschützt wirdbäuerliche Kulturlandschaft des 19. JahrhundertsMeeresgebiet mit Inseln und Schären
Lagenördlicher Schärengarten, Roslagenöstlich von Nämdö, Gemeinde Värmdö
ZugangBoot ab Strömkajen oder Furusund, saisonalBullerö als Haupteingang, eigenes Boot oder Taxiboot

Die beiden Parks stehen für zwei völlig verschiedene Schutzgedanken. In Ängsö wird eine von Menschen geschaffene Landschaft konserviert, die ohne Mahd und Beweidung binnen weniger Jahrzehnte zuwachsen würde. In Nämdöskärgården geht es um ein Ökosystem, das ohne Eingriff auskommt und vor allem Ruhe braucht.

Warum der marine Schutz zählt

Die Ostsee vor Stockholm ist ein empfindliches Brackwassersystem - salzarm, kalt, artenärmer als echte Meere und entsprechend anfällig. Wie sich einzelne Arten erholen können, wenn sich Bedingungen verbessern, zeigt der Beitrag über die Rückkehr des Blasentangs. Der Nationalpark stellt nun einen ganzen Ausschnitt dieses Systems unter Schutz, über und unter der Wasseroberfläche - ein Ansatz, der zum Thema nachhaltiger Tourismus passt.

Häufige Fragen

Wie viele Nationalparks gibt es im Stockholmer Schärengarten?

Zwei: Ängsö (seit 1909) und Nämdöskärgården (seit 5. September 2025). Dazu kommt auf dem Festland Tyresta mit seinem Urwald.

Was ist das Besondere an Nämdöskärgården?

Es ist Schwedens erster mariner Nationalpark in der Ostsee: über tausend Inseln und Schären, 97 Prozent der Fläche sind Meer. Haupteingang ist die Insel Bullerö.

Wie kommt man nach Ängsö?

Im Frühjahr und Sommer mit der Waxholmsbolaget ab Strömkajen oder ab Furusund. Außerhalb der Saison nur mit eigenem Boot oder Wassertaxi.

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