Beeren und Pilze sammeln in den Schären: Recht und Grenzen
Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 6. September 2026

Beeren und Pilze gehören in Schweden allen. Das Jedermannsrecht erlaubt das Sammeln in der freien Natur - ohne Erlaubnis, ohne Gebühr, auch auf fremdem Grund, solange Sie Abstand zu Häusern und Gärten halten. In den Schären lohnt sich das ab Juli, wenn die Wälder auf den größeren Inseln zu tragen beginnen.
Was das Jedermannsrecht erlaubt
Erlaubt sind wildwachsende Beeren, Pilze und nicht geschützte Blumen. Nicht erlaubt sind geschützte Arten, das Betreten von Hausgrundstücken und Äckern sowie das Abbrechen von Ästen oder das Schädigen lebender Bäume. Auf Naturreservaten und in Nationalparks gelten teils strengere Regeln - dort informieren Tafeln am Anleger. Die Grundlagen erklärt der Beitrag zum Jedermannsrecht, Details sammelt Visit Sweden.
Der Beerenkalender
Den Anfang machen im Juli die Walderdbeeren und Waldhimbeeren. Ab Ende Juli reifen die Blaubeeren, die auf den bewaldeten Inseln flächendeckend im Unterwuchs stehen - sie bleiben bis in den August ergiebig. Im September folgen die Preiselbeeren, die deutlich säuerlicher sind und sich vor allem für Kompott und Marmelade eignen. Der Schwerpunkt der Beerensaison liegt damit im Spätsommer und frühen Herbst.
Pilze: Spätsommer bis Herbst
Die Pilzsaison beginnt im Spätsommer und zieht sich in den Herbst. Der begehrteste Fund ist der Pfifferling, dazu kommen Steinpilze und Maronen in den Nadelwäldern der größeren Inseln. Wichtigste Regel für Ortsunkundige: Sammeln Sie nur, was Sie sicher bestimmen können. Wer unsicher ist, geht mit jemandem mit, der sich auskennt - in Schweden werden dafür geführte Touren angeboten.
Wo das Sammeln aufhört
Das Jedermannsrecht ist großzügig, hat aber klare Grenzen, und die betreffen in den Schären mehr Flächen als anderswo.
Naturschutzgebiete. Große Teile des Schärengartens stehen unter Schutz; die Skärgårdsstiftelsen verwaltet allein rund 12 Prozent der Landfläche. Dort gelten eigene Vorschriften, die am Eingang aushängen: In manchen Reservaten ist das Pflücken bestimmter Arten ausdrücklich verboten, im Reservat Öja-Landsort etwa das der Orchideenart Nattviol.
Vogelschutzgebiete. Vom 1. Februar bis 15. August, teils bis Ende August, dürfen sie gar nicht betreten werden, mit 100 Metern Mindestabstand. Das trifft genau die Zeit, in der man draußen unterwegs ist - Details im Beitrag über die Vogelschutzgebiete.
Die Hausfriedenszone. Rund um bewohnte Häuser endet das Jedermannsrecht. Auf kleinen Inseln mit vielen Sommerhäusern bleibt dadurch weniger Fläche übrig, als die Karte vermuten lässt.
Was die Schären für Sammler besonders macht
Der Boden ist dünn. Auf den Außenschären liegt kaum Erde über dem Fels, weil sie geologisch erst vor kurzem aufgetaucht sind - das Land hebt sich um 30 bis 40 Zentimeter pro Jahrhundert. Ergiebig sind deshalb die größeren, bewaldeten Inseln der inneren und mittleren Zone, nicht die kahlen Felsen weiter draußen.
Auf Inseln wie Möja besteht ein großer Teil des Inneren aus Wald mit Moorstellen, und dort finden Sie, was Sie suchen. Wie sich die Zonen unterscheiden, steht im Beitrag zur Orientierung im Schärengarten.
Ein zweiter Punkt: Ohne Auto tragen Sie alles selbst zum Steg. Handgepäck bis 30 Kilogramm fährt auf den Booten kostenlos mit, was für Pilze reichlich bemessen ist.
Praktisch in den Schären
Nehmen Sie einen Korb statt einer Plastiktüte mit, damit die Pilze nicht schwitzen, dazu ein Messer und festes Schuhwerk. Auf den kleinen Felsschären finden Sie wenig - lohnend sind die großen, bewaldeten Inseln wie Utö, Ornö oder Möja. Und planen Sie die Rückfahrt ein: Im September fahren die Boote bereits nach dem ausgedünnten Herbstfahrplan (siehe beste Reisezeit).
Feuer, Müll und Wasser
Wer sammeln geht, ist meist einen halben Tag draußen. Drei Regeln gelten dabei überall im Schärengarten.
Feuer gehört ausschließlich in vorhandene Feuerstellen und dient dem Kochen. Der Wald ist trocken, es weht fast immer, und eine Feuerwehr gibt es auf den Inseln nicht. Nie auf blankem Fels: Granit platzt unter Hitze ab, und die Narbe bleibt jahrzehntelang sichtbar.
Müll nehmen Sie mit aufs Festland. Die Entsorgung ist auf den Inseln aufwendig und teuer, private Tonnen sind tabu.
Trinkwasser ist knapp. Zwei Liter ab Start reichen für die meisten Touren; privates Wasser dürfen Sie nicht benutzen.
Und eine praktische Warnung, die nichts mit Recht zu tun hat: Zecken kommen in den Schären überall vor und können Borreliose und FSME übertragen. Der Betreiber des Fernwanderwegs empfiehlt eine FSME-Impfung ausdrücklich. Kreuzottern gibt es ebenfalls; auf eine zu treten, endet beim Arzt.
Häufige Fragen
Darf man in Schweden überall Beeren und Pilze sammeln?
In der freien Natur ja, dank Jedermannsrecht - auch auf fremdem Grund. Ausgenommen sind Hausgrundstücke, Äcker, geschützte Arten und Gebiete mit besonderen Schutzregeln.
Wann ist Blaubeersaison in den Schären?
Ab Ende Juli bis in den August. Preiselbeeren folgen im September, Walderdbeeren und Himbeeren gibt es schon ab Juli.
Wann kann man Pilze sammeln?
Vom Spätsommer bis in den Herbst. Pfifferlinge, Steinpilze und Maronen wachsen in den Wäldern der größeren Inseln. Nur sammeln, was sicher bestimmt ist.
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