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Nachhaltiger Tourismus in den Schären: Regeln und Zahlen

Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Person im gelben Kajak paddelt durch einen ruhigen Sund zwischen Felsufern

Auf Sandhamn leben rund 110 Menschen ganzjährig. Im Juli sind es zwei- bis dreitausend, über das Jahr kommen etwa 100.000 Gäste. Diese Relation beschreibt das eigentliche Problem im Schärengarten besser als jede CO2-Bilanz: Es geht weniger um die Anreise als um Zeitpunkt, Verteilung und Verhalten vor Ort.

Was tatsächlich vorgeschrieben ist

Regelgilt seitInhalt
Toilettenabwasser aus Freizeitbooten1. April 2015Einleiten in schwedischen Gewässern verboten
Vogel- und Robbenschutzgebietejährlich1. Februar bis 15. August gesperrt, 100 m Abstand
Feuerdauerhaftnur in vorhandenen Feuerstellen, nicht auf Fels oder Strand
Zeltendauerhaftein bis zwei Nächte, in Naturschutzgebieten oft nur eine
Strandskydddauerhaft100 m ab Uferlinie, erweiterbar auf 300 m

Bootstoiletten: seit 2015 verboten

Die konkreteste Umweltregel der Schären betrifft Bootsfahrer. Seit dem 1. April 2015 dürfen Freizeitboote ihr Toilettenabwasser nirgends im schwedischen Hoheitsgebiet mehr einleiten; ausgenommen sind nur denkmalgeschützte Boote. Hintergrund ist eine Vereinbarung der Ostsee-Anrainer im Rahmen von HELCOM, mit der die Überdüngung und der Bakterieneintrag verringert werden sollen.

Entsorgt wird an Absauganlagen in den Häfen. Die Aufsicht darüber liegt seit dem 1. Mai 2023 bei den Kommunen. Wer ein Boot chartert, sollte vor der Abfahrt klären, wo die nächste Station liegt - das Netz ist dünner, als die Regel vermuten lässt.

Die Fähren: die Hälfte fährt erneuerbar

Der Linienverkehr ist der Teil, auf den Reisende am wenigsten Einfluss haben und bei dem sich am meisten getan hat. Waxholmsbolaget betreibt seit 2020 rund 50 Prozent des Schiffsverkehrs mit erneuerbaren Kraftstoffen. Als Teil von Region Stockholm, die bis 2035 klimaneutral sein will, ist das langfristige Ziel eine fossilfreie Flotte.

Ein zweiter Punkt taucht in den Umweltzielen auf, den man von außen nicht erwartet: die Reduzierung von Wellenschlag. Schnellboote erzeugen Wellen, die Ufer erodieren und Bootshäuser beschädigen - in einem Gebiet mit 300 Anlegestellen und schmalen Sunden ist das ein reales Problem.

Für Reisende folgt daraus eine einfache Rechnung: Das Linienboot ist die umweltverträglichste Art, in die Schären zu kommen, und obendrein die günstigste. Wie das Netz funktioniert, steht im Beitrag über Waxholmsbolaget.

Wer die Inseln schützt

Die Skärgårdsstiftelsen besitzt und verwaltet rund 12 Prozent der Landfläche im Schärengarten: 12.000 Hektar Land und 20.000 Hektar Wasser. Sie hält Wanderwege, Feuerstellen, Toiletten und Lagerplätze instand und vergibt den Betrieb von Herbergen und Gasthöfen an Pächter.

Ihre Existenz geht zum Teil auf private Entscheidungen zurück. 1967 verkaufte Torsten Kreuger 900 Inseln rund um Bullerö für vier Millionen Kronen an den Staat, obwohl ihm bis zu 80 Millionen geboten worden waren - unter der Bedingung, dass daraus ein Naturschutzgebiet mit öffentlichem Zugang wird. Mehr dazu im Beitrag über die abgelegenen Inseln.

Vogelschutz: die Sperrzeit kennen

Vom 1. Februar bis 15. August sind Vogelschutzgebiete gesperrt, mit 100 Metern Mindestabstand; in einzelnen Gebieten reicht die Frist bis Ende August. Dieselben Zeiten gelten für Robbenschutzgebiete.

Betroffen sind vor allem Bootsfahrer und Paddler, die abseits der Stege unterwegs sind - mit dem Linienboot kommen Sie gar nicht erst in die Nähe. Welche Flächen betroffen sind, steht in den Seekarten und in der Karte der Länsstyrelsen; eine Einordnung im Beitrag über die Vogelschutzgebiete.

Feuer, Müll und Trinkwasser

Feuer gehört ausschließlich in vorhandene Feuerstellen und dient dem Kochen. Der Wald ist trocken, es weht fast immer, und eine Feuerwehr gibt es auf den Inseln nicht. Nicht auf blankem Fels: Granit platzt unter Hitze ab, und die Narbe bleibt jahrzehntelang sichtbar.

Müll nehmen Sie am besten aufs Festland mit. Die Entsorgung ist auf den Inseln aufwendig und teuer, und private Tonnen sind tabu. In Bootshäfen gibt es öffentliche Sammelstellen.

Trinkwasser ist auf kleinen Inseln knapp. Zwei Liter ab Etappenstart reichen für die meisten Wanderungen; privates Wasser und private Toiletten dürfen Sie nicht benutzen.

Der größte Hebel ist der Zeitpunkt

Die wirksamste Entscheidung trifft man vor der Buchung. Die Belastung konzentriert sich auf wenige Wochen zwischen Mittsommer und Anfang August; in dieser Zeit sind Boote voll, Betten ausgebucht und die Inseln am Limit. Der Betreiber des Stockholm Archipelago Trail empfiehlt Mehrtagestouren ausdrücklich vor Mittsommer oder nach dem 5. August, um die Inseln zu entlasten - und nennt den 5. bis 17. August als besten Zeitraum überhaupt.

Der zweite Hebel ist die Wahl des Ziels. Wer statt Sandhamn nach Gällnö oder Svartsö fährt, sieht mehr und belastet weniger. Und wer auf einer ganzjährig bewohnten Insel übernachtet, trägt zu einer Wirtschaft bei, die nicht nur acht Wochen im Jahr funktioniert.

Die Ostsee selbst

Das größte ökologische Thema der Region ist nicht der Tourismus, sondern die Nährstofffracht der Ostsee. Sichtbar wird sie als Algenblüte, meist Ende Juli, wenn Wärme und Nährstoffüberschuss zusammenkommen. Die Blüten können Gifte bilden, die Haut reizen oder beim Verschlucken krank machen. Ist das Wasser grün und trüb, nicht baden - oft finden Sie auf der anderen Inselseite klares Wasser, und mit auffrischendem Wind verschwindet die Blüte, weil kälteres Tiefenwasser aufsteigt.

Es gibt auch Bewegung in die andere Richtung. Der Blasentang, eine Schlüsselart für das Ökosystem der Schären, kehrt an Stellen zurück, an denen er verschwunden war - nachzulesen im Beitrag über die Rückkehr des Blasentangs.

Häufige Fragen zum nachhaltigen Reisen in den Schären

Darf man die Bootstoilette in den Schären benutzen?

Benutzen ja, entleeren nein. Seit dem 1. April 2015 ist das Einleiten von Toilettenabwasser aus Freizeitbooten in schwedischen Gewässern verboten. Entsorgt wird an Absauganlagen in den Häfen.

Wie umweltfreundlich sind die Schärenboote?

Rund 50 Prozent des Verkehrs laufen seit 2020 mit erneuerbaren Kraftstoffen. Region Stockholm will bis 2035 klimaneutral sein.

Wann darf man Vogelinseln nicht betreten?

Vom 1. Februar bis 15. August, teils bis Ende August, mit 100 Metern Mindestabstand. Dasselbe gilt für Robbenschutzgebiete.

Darf man am Strand Feuer machen?

Nein. Feuer gehört ausschließlich in die vorhandenen Feuerstellen, nicht auf Felsen, nicht an den Strand und nicht ins Gelände.

Wann sollte man reisen, um die Inseln zu entlasten?

Vor Mittsommer oder nach dem 5. August. Der beste Zeitraum liegt zwischen dem 5. und 17. August, wenn die Nord-Süd-Linie noch fährt und deutlich weniger Menschen unterwegs sind.

Was macht die Skärgårdsstiftelsen?

Sie verwaltet rund 12 Prozent der Landfläche im Schärengarten, insgesamt 12.000 Hektar Land und 20.000 Hektar Wasser, und hält Wege, Feuerstellen und Lagerplätze instand.

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