Abgelegene Inseln in den Schären: Bullerö, Huvudskär, Svartlöga
Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

1967 verkaufte der Finanzier Torsten Kreuger 900 Inseln im äußeren Schärengarten an den schwedischen Staat. Er bekam vier Millionen Kronen dafür, obwohl ihm Interessenten bis zu 80 Millionen geboten hatten. Seine Bedingung: Das Gebiet muss Naturschutzgebiet werden und der Öffentlichkeit offenstehen. Diesem Handel verdanken heutige Besucher den Zugang zu einem der stillsten Teile der Schären.
Bullerö: 900 Inseln und ein Malerhaus
Angefangen hatte es mit einem Künstler. Bruno Liljefors kaufte Bullerö 1908 samt 300 umliegenden Inseln und baute im Jahr darauf ein Atelier auf der Insel. Um ihn sammelte sich die sogenannte Bullerö-Gruppe, zu der auch Anders Zorn und Albert Engström gehörten - sie machten die Schärenlandschaft im frühen 20. Jahrhundert überhaupt erst zum Bildmotiv.
1923 verkaufte Liljefors an Torsten Kreuger, dessen Sohn Björn in den 1950er und 1960er Jahren Seeadler züchtete und Naturschutz betrieb. 1967 folgte der Verkauf an den Staat. Heute verwaltet die Skärgårdsstiftelsen das Reservat.
Was Sie vorfinden: Wanderwege in verschiedenen Schwierigkeitsgraden, eine Badestelle, ein Gästehaus, drei vermietete Torpe (Skogavik, Hamnskär und Rågskär), eine Sauna und Liljefors‘ Jagdhütte von 1909, die heute als Ausstellungsraum dient. Teile der Insel sind mit dem Rollstuhl befahrbar. Die Kulturgeschichte ist auf der Insel dokumentiert.
Huvudskär: knapp 200 Schären vor Ornö
Huvudskär liegt ganz außen im südlichen Schärengarten, südöstlich von Ornö. Die Inselgruppe besteht aus fast 200 Inseln, Klippen und Schären, auf denen viele hundert Jahre lang Menschen lebten - Zöllner und Lotsen, deren rote Häuser zwischen den glattgeschliffenen Felsen verstreut stehen.
Ganzjährige Bewohner gibt es keine mehr. Im Sommer bietet ein Wanderhotel in der historischen Leuchtturmsiedlung Betten an, dazu gibt es Wohnungen und Zimmer zur Miete. Erreichbar ist Huvudskär mit dem eigenen Boot, mit Taxiboot oder im Sommer mit saisonalen Bootstouren ab Dalarö. Für Vogelbeobachtung ist das Gebiet einer der besten Plätze der Region.
Svartlöga: das Dorf, das 1719 verschont blieb
Im Sommer 1719 brannte die russische Flotte fast jede Siedlung in den Stockholmer Schären nieder. Svartlöga in der nördlichen Außenschäre blieb verschont - und hat deshalb heute eines der besterhaltenen Dorfensembles des gesamten Schärengartens: Schotterwege zwischen roten Holzhäusern, Bootshäuser, Gärten.
Autos gibt es nicht, Läden auch nicht. Dafür einen kinderfreundlichen Badestrand und Lassas Hagar, ein fünf Hektar großes Arboretum mit über 2.500 exotischen Bäumen und Sträuchern - ein unerwarteter Anblick auf einer Außenschäre. Und: Auf Svartlöga wurde die Neuverfilmung von „Ferien auf Saltkrokan” gedreht, die das ZDF an Ostern 2026 zeigte. Mehr dazu im Beitrag über die Drehorte in den Schären.
Angefahren wird die Insel sonntags in der Sommersaison vom Dampfer S/S Blidösund, der ab Norrtälje, Furusund und Stockholm startet.
Rödlöga: weiter draußen geht kaum
Rödlöga liegt in derselben Ecke und gilt als eines der abgelegensten bewohnten Ziele mit Linienanschluss. Wer den äußeren Schärengarten ohne Andrang erleben will, findet dort die Kombination aus offener See, niedrigem Bewuchs und nahezu keiner Infrastruktur. Details stehen im Beitrag über Rödlöga.
Wer eine Zwischenstufe sucht: Gällnö und Brottö im mittleren Schärengarten sind autofrei und deutlich ruhiger als die bekannten Ausflugsinseln, aber mit regulärem Bootsverkehr erreichbar.
Was abgelegen praktisch bedeutet
Drei Dinge unterscheiden diese Ziele von Grinda oder Vaxholm:
Kein täglicher Fahrplan. Bei mehreren dieser Inseln gibt es Verbindungen nur an bestimmten Wochentagen oder nur im Sommer. Wer nicht flexibel ist, plant Hin- und Rückfahrt gleichzeitig.
Keine Versorgung. Kein Laden, oft kein Restaurant. Verpflegung und Wasser bringen Sie mit; das gilt auch fürs Trinkwasser, das auf kleinen Inseln knapp ist.
Bedarfshalte und Semafore. An kleinen Stegen hält das Boot nur, wenn Sie die runde Klappscheibe hochstellen und zum Schiff drehen. Einzelne Anlegestellen werden überhaupt nur nach telefonischer Bestellung angefahren; das steht dann im Fahrplan. Wie das System funktioniert, steht im Beitrag über Waxholmsbolaget.
Sperrzeit: 1. Februar bis 15. August
Je weiter draußen, desto mehr Vogelschutzgebiete. Rund um Bullerö allein liegen drei davon - Långskär, Koskären und Rågskär - mit Betretungsverbot vom 1. Februar bis 15. August. Dieselbe Frist gilt für Robbenschutzgebiete, und der Mindestabstand beträgt 100 Meter. In einzelnen Gebieten wie rund um Stora Nassa reicht die Frist bis Ende August.
Das betrifft vor allem Bootsfahrer und Paddler, die abseits der Stege unterwegs sind. Welche Flächen gesperrt sind, steht auf den Seekarten und in der Karte der Länsstyrelsen; mehr dazu im Beitrag über die Vogelschutzgebiete und im Beitrag über das Kajakfahren.
Häufige Fragen zu den abgelegenen Inseln
Wie kommt man nach Bullerö?
Mit eigenem Boot oder Taxiboot; im Sommer gibt es saisonale Ausflugsfahrten. Ein regulärer Linienverkehr wie zu den großen Ausflugsinseln besteht nicht.
Kann man auf Bullerö übernachten?
Ja. Es gibt ein Gästehaus, drei vermietete Torpe und eine Sauna. Die Insel ist Naturschutzgebiet der Skärgårdsstiftelsen.
Was ist auf Huvudskär zu sehen?
Eine Inselgruppe aus fast 200 Inseln mit ehemaligen Zoll- und Lotsengebäuden und einer historischen Leuchtturmsiedlung, in der im Sommer ein Wanderhotel betrieben wird. Ganzjährige Bewohner gibt es nicht.
Warum ist Svartlöga so gut erhalten?
Weil die russische Flotte die Insel 1719 verschonte, während sie fast alle anderen Siedlungen der Schären niederbrannte. Das Dorf mit seinen Holzhäusern zählt zu den besterhaltenen der Region.
Gibt es auf diesen Inseln Läden?
In der Regel nicht. Rechnen Sie mit vollständiger Selbstversorgung inklusive Trinkwasser.
Wann darf man die kleinen Schären nicht betreten?
In Vogel- und Robbenschutzgebieten vom 1. Februar bis 15. August, teils bis Ende August, mit 100 Metern Mindestabstand.
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