Ornö: Autofähre, 34-Kilometer-Etappe und Feldspatgruben
Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Ornö ist 14 Kilometer lang, an der breitesten Stelle 6 Kilometer breit und hat rund 300 ganzjährige Bewohner. Damit ist es die größte Insel im südlichen Schärengarten - und die einzige der bekannten Schäreninseln, die Sie mit dem eigenen Auto erreichen. Eine Autofähre braucht ab Dalarö rund 30 Minuten.
Anreise: die Autofähre ab Dalarö
Die Fähre verbindet die Hotellbryggan in Dalarö mit der Hässelmara brygga auf Ornö. Betrieben wird sie von Ornö Sjötrafik, und der wichtigste Punkt für die Planung lautet: Fahrzeuge müssen in beide Richtungen gebucht werden, nicht nur für die Hinfahrt.
| Tarif (hin und zurück, inkl. MwSt.) | Preis |
|---|---|
| Fahrzeug unter 6 m Länge und 2 m Breite, Fahrer inklusive | 120 SEK |
| Fahrzeug unter 6 m, über 2 m breit | 240 SEK |
| Fahrzeug 6 bis 10 m | 480 SEK |
| Passagier ab 15 Jahren | 60 SEK |
| Jahreskarte Privatperson | 7.920 SEK |
Es gibt außerdem Zehnerkarten zum Preis von neun Fahrten. Die vollständige Preisliste führt der Betreiber.
Ohne Auto kommen Sie ebenfalls hin: mit dem Pendeltåg bis Handen, weiter per Bus nach Dalarö und von dort mit dem Boot. Waxholmsbolaget fährt Ornö außerdem ab Saltsjöbaden und Brevik an.
Wald, Felder, Orchideen
Die Landschaft wechselt zwischen dichten Wäldern und offenen Feldern. Ornö ist nicht die karge Felsschäre, die viele erwarten, sondern eine bewirtschaftete Kulturlandschaft. Auf den Wiesen wachsen Orchideen, und im Inselinneren liegt der Stunnträsk, ein See mit ungewöhnlich klarem Wasser, in dem Organismen aus der Eiszeit nachgewiesen wurden. Angeln ist dort möglich, die Regeln stehen im Beitrag über das Angeln in den Schären.
Die längste Etappe des Fernwanderwegs
Mit 34,1 Kilometern ist die Ornö-Etappe die längste des Stockholm Archipelago Trail - fast anderthalbmal so lang wie die zweitlängste. Der Schwierigkeitsgrad ist als mittel eingestuft: Pfade mit Steinen und Wurzeln, längere Strecken, etwas Höhenunterschied.
Der Trail-Betreiber schlägt Ornö deshalb als eigene Zweitagesetappe innerhalb einer Viertagesrunde vor: von Dalarö nach Ornö, dort zwei Tage, weiter nach Fjärdlång und Utö. Für einen Tagesausflug ist die Insel schlicht zu groß.
Wer die Distanz nicht laufen will, nimmt das Rad. Die Insel hat ein Netz aus Schotterwegen, das aus der Landwirtschaft und dem Bergbau stammt.
Vom Robbenjäger zum Feldspat
In der Bronzezeit lebte auf Ornö eine Robbenjägerbevölkerung. Ab dem 15. Jahrhundert sind Höfe und Dörfer urkundlich belegt, darunter Kråkmora, Varnö und Lervassa. Im 16. Jahrhundert gab es rund 30 Höfe und Dörfer; bis ins 19. Jahrhundert hatte sich diese Zahl mehr als verdoppelt.
Wie überall in den Schären ist der Sommer 1719 die Zäsur: Eine russische Galeerenflotte brannte fast sämtliche Höfe und Torpe nieder. Mehr zum Zusammenhang steht im Beitrag über die Geschichte der Schären.
Ornö unterscheidet sich von den Nachbarinseln durch seine industrielle Geschichte. Mitte des 17. Jahrhunderts stand bei Lättinge ein Hochofen, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam eine Ziegelei dazu. Ab dem späten 19. Jahrhundert wurde Feldspat abgebaut, Rohstoff für die Porzellanindustrie - unter anderem für Gustavsberg. Der Bergbau lief bis in die 1960er Jahre und bot rund 20 Arbeitsplätze; die größte Grube war die Långviksgruvan, auch Lugnets gruva genannt, in Betrieb von 1914 bis 1965. Über die ganze Insel verteilt sind bis heute kleine Grubenlöcher zu sehen.
Strom bekam Ornö in den 1940er Jahren, die Fährverbindung Anfang der 1960er. Heute ist neben Landwirtschaft und Tourismus eine Polizeizentrale mit rund zehn Arbeitsplätzen ein fester Arbeitgeber auf der Insel. Die Inselgeschichte im Detail führt Ornö Skärgård.
Die Kirche
Auf Ornö stand vermutlich schon gegen Ende des 14. Jahrhunderts eine Kapelle. 1652 wurde eine größere Kirche im damals modernen Stil errichtet; sie brannte 1881 nieder. Die heutige Kirche wurde 1885 geweiht und im Jahr darauf fertiggestellt.
Der erste urkundlich erwähnte Pfarrer der Insel war ein Herr Anders, der Mitte des 16. Jahrhunderts in Degernäs lebte. Eine Schule bekam Ornö 1845. Dazu kommt ein Museum, das zeigt, wie auf der Insel gewohnt und gearbeitet wurde - es ist zugleich eine der Stellen, an denen es das Wanderpassheft für den Fernwanderweg gibt.
Was Ornö nicht ist
Ein Ort für Inselhopping-Hektik. Ornö ist groß, die Wege sind lang, und das Angebot an Gastronomie und Unterkünften ist überschaubarer als auf den Ausflugsinseln weiter nördlich. Genau das ist der Reiz: Wer ein Rad mitnimmt oder das Auto auf die Fähre stellt, Zeit hat und Ruhe sucht, ist hier richtig.
Wer Hafenrestaurants und Betrieb erwartet, fährt besser nach Sandhamn oder Grinda. Wer den südlichen Schärengarten mag, aber weniger Fläche braucht, findet auf Utö die kompaktere Variante.
Häufige Fragen zu Ornö
Wie kommt man nach Ornö?
Mit der Autofähre ab der Hotellbryggan in Dalarö in rund 30 Minuten zur Hässelmara brygga. Ohne Auto per Pendeltåg bis Handen, Bus nach Dalarö und Boot. Waxholmsbolaget fährt Ornö auch ab Saltsjöbaden und Brevik an.
Was kostet die Autofähre?
120 Kronen hin und zurück für ein Fahrzeug unter sechs Metern Länge und zwei Metern Breite, Fahrer inklusive. Weitere Passagiere ab 15 Jahren zahlen 60 Kronen. Fahrzeuge müssen in beide Richtungen gebucht werden.
Wie groß ist Ornö?
Rund 14 Kilometer lang und an der breitesten Stelle 6 Kilometer breit, mit etwa 300 ganzjährigen Bewohnern. Damit ist es die größte Insel des südlichen Schärengartens.
Wie alt ist die Kirche von Ornö?
Die heutige Kirche wurde 1885 geweiht. Ihre Vorgängerin von 1652 brannte 1881 ab; eine erste Kapelle stand vermutlich schon Ende des 14. Jahrhunderts.
Gibt es auf Ornö einen Wanderweg?
Ja, die längste Etappe des Stockholm Archipelago Trail mit 34,1 Kilometern und mittlerem Schwierigkeitsgrad. Sie ist als Zweitagesetappe gedacht.
Was hat es mit den Grubenlöchern auf sich?
Sie stammen vom Feldspatabbau für die Porzellanindustrie, der vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre lief. Die größte Grube war die Långviksgruvan, in Betrieb von 1914 bis 1965.
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