Sigtuna: Tagesausflug zu Runensteinen und Kirchenruinen am Mälaren
Von Martin HöllingerVeröffentlicht am 29. Oktober 2026

Rund 30 Runensteine stehen in Sigtuna, in der ganzen Gemeinde sind es 170. Nach Angaben des städtischen Museums hat kein Ort in Schweden mehr. Dazu kommen Kirchenruinen aus dem 11. und 12. Jahrhundert und eine der ersten Backsteinkirchen des Landes, alles auf wenigen hundert Metern. Von Stockholm aus ist das ein bequemer Tagesausflug, auch im Winter.
Kein Schärenort, sondern Mälarstadt
Sigtuna liegt nicht an der Ostsee, sondern rund 50 Straßenkilometer nordwestlich von Stockholm am Mälaren, dem großen See westlich der Hauptstadt. Wer Schärenfelsen und Badeklippen sucht, ist hier falsch. Wer verstehen will, wie Schweden zu einem Königreich mit Städten wurde, ist richtig.
Dasselbe gilt für Birka, die Wikingerstadt auf Björkö, ebenfalls im Mälaren. Beide Orte erzählen zusammen eine Geschichte: Birka war der Handelsplatz der Wikingerzeit, Sigtuna entstand gegen Ende des 10. Jahrhunderts, ungefähr zu der Zeit, als Birka aufgegeben wurde. Das Museum nennt sie die Stadt, in der die Wikingerzeit zu Ende ging.
Wie Sie nach Sigtuna kommen
Laut Sigtuna Museum & Art gibt es drei Wege:
- Ab Stockholm mit dem Pendeltåg oder einem SJ-Zug bis Märsta, dort in den SL-Bus 570. Er braucht bis zur Haltestelle Sigtuna busstation gut 15 Minuten.
- Ab Flughafen Arlanda direkt mit dem SL-Bus 579, ab Terminal 2 und 3 rund 35 Minuten.
- Mit dem Auto rund 50 Kilometer über die E4 nach Norden, Abfahrt Märsta, dann der Beschilderung nach Sigtuna folgen.
Der Bus 570 fährt am Wochenende tagsüber jede halbe Stunde, werktags in der Hauptverkehrszeit alle 15 Minuten, und das bis nach Mitternacht (Fahrplan gültig bis 12. Dezember 2026, Stand Oktober 2026). Anders als bei Birka, wohin nur von Mai bis September Ausflugsboote fahren, hängt Sigtuna also an keiner Saison.
| Sigtuna | Birka | |
|---|---|---|
| Anreise | Pendeltåg und Bus, ganzjährig | Ausflugsboot, etwa Mai bis September |
| Fahrzeit | Pendeltåg bis Märsta, dann gut 15 Minuten Bus | rund zwei Stunden pro Richtung ab Stockholm |
| Was zu sehen ist | Runensteine, Kirchenruinen, Altstadt, Museum | Gräberfeld, rekonstruiertes Dorf, Museum |
| Eintritt | Stadt frei, Museum 60 Kronen | in der Regel im Bootsticket enthalten |
Runensteine am Wegrand
Die Steine stehen nicht hinter Glas, sondern dort, wo man sie gefunden hat oder wohin sie im Lauf der Jahrhunderte gewandert sind: in Gärten, an Wegen, an Hausecken. Der Stein U 389 vor dem Museum etwa wurde vor rund 150 Jahren eingemauert in einem Keller nahe der Ruine Sankt Lars entdeckt. Lesbar ist, dass Gillög und vermutlich Kuse ihn errichten ließen.
Am Runstigen, dem kurzen Pfad hinauf zur Anhöhe Klockbacken, stehen zwei Steine. Auf U 393 steht: Ofeg ließ diesen Stein für seine Schwestern Tora und Rodvi errichten. Laut dem Museum stand der Stein schon in der Wikingerzeit an dieser Stelle, auch damals führte hier ein Weg vorbei. Die große Schlinge auf der Vorderseite ist leer, die Runen stehen in einer zweiten Schlinge an der rechten Seite, und dort reicht der Platz kaum. Vermutlich hat der Ritzer erst die Schlinge gemeißelt und dann die Runen.
Zwei Faltblätter des Museums führen zu den Steinen: die „Runstensvandring” auf Schwedisch und Englisch und die kürzere Runensuche „Runornas hemligheter” für Familien. Beide liegen im Museum aus oder stehen auf der Seite des Museums zum Herunterladen bereit. Runen gibt es außerdem in der Sammlung des Museums: rund hundert Inschriften auf Knochen, Holz und anderem Material. Runen standen eben auch auf Holz, als Botschaft oder Merkzettel.
Kirchenruinen und Mariakyrkan
Im 12. Jahrhundert standen in Sigtuna mehrere Steinkirchen entlang der heutigen Prästgatan nebeneinander. Erhalten sind Ruinen, darunter Sankt Olof und Sankt Lars. Sankt Olof wurde um 1050 aus Feldstein gebaut.
Am Ende der Prästgatan steht die Mariakyrkan, das älteste Gebäude der Stadt, das bis heute genutzt wird. Laut der Kirchengemeinde Sigtuna wurden Chor und Dominikanerkloster am 15. August 1247 oder 1248 geweiht, das Langhaus war Mitte der 1250er Jahre fertig. Es war das erste Mal im damaligen Schweden, dass man für einen Bau Ziegel brannte. Den Lehm dafür holte man nach Angaben des Museums aus dem Mälaren, nördlich der Kirche haben Archäologen Reste eines Brennofens gefunden. König Magnus Ladulås bezahlte Ende des 13. Jahrhunderts die Gewölbe im Langhaus und ein Kupferdach.
Die Kirche ist täglich ab 8 Uhr geöffnet, mittwochs bis 18.30 Uhr, sonst bis 17 Uhr. Ein Informationsblatt bietet die Gemeinde in acht Sprachen zum Herunterladen an, darunter Deutsch.
Stora gatan, Rathaus und Klockbacken
Die Hauptstraße der Altstadt ist die Stora gatan mit ihren holzverkleideten Häusern. Am Stora torget steht das Rathaus. Es ist vom 1. Juli bis 18. August täglich von 12 bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Hinter einer Fensterlade neben der Tür hängt ein Haken, und das Museum erzählt dazu eine Geschichte: Wer früher in einer der vielen Kneipen zu viel getrunken hatte, holte sich hier den Schlüssel und schlief seinen Rausch in der Arrestzelle aus. Ob das stimmt, lässt das Museum ausdrücklich offen.
Zwei Bürgerhäuser gehören zum Museum. Die Lundströmska gården zeigt, wie eine Kaufmannsfamilie um 1900 wohnte; die Familie Lundström führte hier von 1875 bis 1904 einen Billigwarenladen. Sie ist nur mit gebuchter Führung zu sehen. Der Garten der Borgmästargården mit einer Ausstellung im Freien ist dagegen immer zugänglich.
Den besten Überblick gibt die Anhöhe Klockbacken, früher Tingsberget genannt. Von hier konnte man in der Gründungszeit die Schiffe auf dem Fahrwasser beobachten.
Sigtuna Museum & Art
Das Museum steht am Lilla torg an der Stora gatan, auf dem Grundstück, auf dem Ende des 10. Jahrhunderts der erste Königshof gebaut wurde. Seit 1985 graben Archäologen unter seiner Leitung in den mittelalterlichen Kulturschichten der Stadt, der „schwarzen Erde”, und haben dabei eine der größten archäologischen Sammlungen Schwedens zusammengetragen. In der Ausstellung Sigtunahistorier liegen unter anderem die ersten Münzen Schwedens und der Silberschatz von Sundveda.
Die Öffnungszeiten laut Museum:
| Monate | Geöffnet |
|---|---|
| Januar bis März | Dienstag bis Sonntag, 12 bis 16 Uhr |
| April | täglich, 12 bis 16 Uhr |
| Mai bis September | täglich, 10 bis 16 Uhr |
| Oktober | täglich, 12 bis 16 Uhr |
| November und Dezember | 12 bis 16 Uhr, montags geschlossen |
Der Eintritt kostet 60 Kronen, wer unter 20 ist, zahlt nichts. Im Herbst 2026 wird das Dach saniert, von Kalenderwoche 37 bis 50 steht das Gebäude im Gerüst; abgebaut wird es in den Wochen 50 und 51.
So lässt sich der Tag einteilen
Mit dem Bus kommen Sie an der Haltestelle Sigtuna busstation oder Klockbacken an. Eine Runde, die alles Wesentliche verbindet, sieht so aus:
- Klockbacken mit Blick über die Stadt, dann den Runstigen hinunter zu den beiden Runensteinen.
- Die Prästgatan entlang an den Ruinen vorbei bis zur Mariakyrkan.
- Über die Stora gatan zum Stora torget mit dem Rathaus.
- Ins Museum am Lilla torg, rund eine Stunde einplanen.
- Zum Schluss die Strandpromenaden am Mälaren entlang Richtung Malmen, dem früheren Arbeiterviertel.
Vor 12 Uhr ist das Museum von Oktober bis April geschlossen. Wer im Winterhalbjahr kommt, beginnt deshalb besser draußen und geht nach dem Mittag ins Museum, zur Fika bleibt danach immer noch Zeit. Gruppen können eine einstündige Stadtführung mit autorisierten Sigtuna-Guides buchen, die Anfrage läuft über das Museum.
Wer an einem langen Sommertag Kultur und Wasser verbinden will, kombiniert besser andersherum: Birka mit dem Boot im Mälaren, oder einer der Tagesausflüge in die Schären östlich der Stadt. Sigtuna ist die bessere Wahl für die Monate, in denen die Ausflugsboote nicht fahren.
Häufige Fragen zu Sigtuna
Wie komme ich von Stockholm nach Sigtuna?
Mit dem Pendeltåg nach Märsta und von dort mit dem SL-Bus 570 bis Sigtuna busstation, die Busfahrt dauert gut 15 Minuten. Mit dem Auto sind es rund 50 Kilometer über die E4.
Liegt Sigtuna in den Schären?
Nein. Sigtuna liegt am Mälaren, einem Binnensee nordwestlich von Stockholm. Die Schären liegen auf der anderen Seite der Stadt, in der Ostsee.
Wie viele Runensteine gibt es in Sigtuna?
In der Stadt sind rund 30 bekannt, in der gesamten Gemeinde 170. Laut Sigtuna Museum & Art hat kein Ort in Schweden mehr.
Was kostet der Eintritt ins Sigtuna Museum?
60 Kronen. Unter 20 Jahren ist der Eintritt frei, eine Jahreskarte kostet 100 Kronen.
Lohnt sich Sigtuna im Winter?
Ja. Der Bus fährt ganzjährig im Halbstundentakt, Runensteine und Ruinen stehen im Freien, und das Museum hat auch im Winter geöffnet, von Januar bis März allerdings montags nicht und erst ab 12 Uhr.
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