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Gustavsberg: Porzellanfabrik, Museum und Ateliers auf Värmdö

Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Motorboote im Hafen von Gustavsberg auf Värmdö
Eigene Aufnahme: Gustavsberg, 4. September 2025

Seit 1825 wird in Gustavsberg Porzellan gebrannt, ohne Unterbrechung und am selben Ort. Das macht die Fabrik zu einer der ältesten durchgehend produzierenden Schwedens. Für Besucher ist der Ort aus einem zweiten Grund interessant: Er liegt 20 Busminuten vom Stockholmer Slussen entfernt und ist damit das am einfachsten erreichbare Ziel im gesamten Värmdö-Schärengebiet.

Anreise: 20 Minuten mit dem Bus, zwei Stunden mit dem Boot

VerkehrsmittelAbFahrzeitHinweis
Bus 474Slussenrund 20 MinutenHaltestelle Gustavsbergs hamn, dann wenige Gehminuten
AutoStockholmrund 20 MinutenStraße 222, etwa 20 km bis Ausfahrt Gustavsberg
Boot (Strömma)Stockholm2 Stundennur im Sommer, als Tagesausflug

Der Bus ist die vernünftige Wahl, wenn Sie das Museum und die Werkstätten sehen wollen. Das Boot ist die Wahl, wenn die Fahrt selbst der Punkt ist - zwei Stunden durch die inneren Schären für eine Strecke, die der Bus in zwanzig Minuten schafft. Parkplätze gibt es am Hafen und beim Outlet, ein Behindertenparkplatz liegt direkt vor dem Museum.

Das Porzellanmuseum: 80 Kronen, und nur im Sommer

Das Gustavsbergs Porslinsmuseum liegt an der Odelbergs väg 5, wenige Minuten vom Bussteig. In der aktuellen Saison ist es vom 1. Juni bis zum 27. September geöffnet, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Der Eintritt kostet 80 Kronen, unter 20 Jahren ist er frei.

Planen Sie außerhalb dieses Zeitraums, fragen Sie vorher an - das ist der Punkt, an dem die meisten Besuche scheitern. Ein Ausflug im April führt zu einem geschlossenen Museum, während Ateliers und Läden im Fabrikgelände weiterlaufen.

Das Museum selbst eröffnete 1915. Seit 2018 gehört die Verwaltung zum Nationalmuseum, das Haus wurde umgebaut und 2020 wiedereröffnet. Gezeigt werden Kunstobjekte, Urnen, die bekannten Service-Serien, aber auch Sanitärkeramik sowie Email- und Kunststoffprodukte aus der Fabrik - der Bogen ist also breiter als das, was man aus Designbüchern kennt. Vertreten sind Stig Lindberg, Lisa Larson, Wilhelm Kåge, Karin Björquist, Tyra Lundgren, Gunnar G:son Wennerberg und Margareta Hennix.

Was aus dem Fabrikgelände geworden ist

Seit den 2010er Jahren wird das Areal umgebaut, ein Teil der Fabrikgebäude und Brennöfen ist dabei verschwunden und Wohnungen gewichen. Was blieb, firmiert heute unter dem Namen Porslinsriket und ist dichter mit Keramik belegt, als es der Rückbau vermuten lässt:

  • Gustavsbergs Konstcenter im Chamottehuset mit rund 80 Ateliers und einer Ofenhalle mit etwa 40 Keramiköfen, vermietet an Künstlerinnen und Künstler.
  • Ateljéföreningen G-studion mit rund 120 Mitgliedern, die in den historischen Fabrikgebäuden produzieren und ausstellen.
  • Dekorhuset und Konstnärshuset mit weiteren rund 40 Ateliers.
  • Keramikstudion, in der die Lisa-Larson-Figuren von Hand gefertigt werden.
  • Folkuniversitetet mit offenen Keramikkursen und einer einjährigen Vollzeitausbildung.
  • Panncentralen, das ehemalige Heizkraftwerk, heute Kulturhaus für Kunst, Fotografie und Design.

Dazu kommen ein Auktionshaus, ein Fachhandel für Keramikbedarf, Antiquitätenhändler und mehrere Outlets. Wer zum Einkaufen kommt, sollte wissen: Die Outlets sind der Grund, warum viele Schweden nach Gustavsberg fahren, nicht das Museum. Einen Überblick über die Betriebe im Areal führt Porslinsriket.

1821, 1825 oder 1827? Die Gründungsjahre der Fabrik

Die Fabrik selbst nennt 1825 als Gründungsjahr, und mit dieser Zahl wird auch geworben. Das Stockholms läns museum datiert anders: Gegründet habe der Großhändler Johan Herman Öhman den Betrieb bereits 1821, das erste Porzellan sei 1827 gebrannt worden. Beide Angaben stimmen wahrscheinlich, sie beziehen sich nur auf verschiedene Ereignisse - Firmengründung, offizieller Startpunkt, erster Brand.

Interessanter als die Jahreszahl ist, was daraus wurde. Um 1900 arbeiteten über 800 Menschen in der Fabrik, und um sie herum entstand ein kompletter Werksort mit Wohnhäusern, Läden, Schule und Kirche. Wer heute durch Gustavsberg geht, läuft durch diese Struktur: Die Straßennamen, die Reihen gleichförmiger Arbeiterhäuser und die Lage der öffentlichen Gebäude folgen noch immer der Logik einer Fabrik, die alles stellte.

1937 übernahm der schwedische Konsumgenossenschaftsverband KF den Betrieb, und die Produktion verschob sich. 1938 und 1939 entstanden neue Hallen für Toiletten und Waschbecken, später kam eine Badewannenfabrik dazu. Genau deshalb steht im Museum neben den Designklassikern auch Sanitärkeramik: Über Jahrzehnte war Gustavsberg für viele Schweden kein Designbegriff, sondern die Marke auf dem WC. Die erfolgreichsten Jahre lagen zwischen 1965 und 1975, getragen von der Nachfrage des Millionenprogramms, mit dem Schweden binnen zehn Jahren eine Million Wohnungen baute. Danach kamen Verkäufe, Schließungen und Stellenabbau. Die Bestandsaufnahme des Stockholms läns museum zeichnet diesen Bogen nach.

Was heute noch gebrannt wird

Die Fabrik läuft weiter, seit dem letzten Eigentümerwechsel 2019 in neuer Hand. Produziert werden Knochenporzellan und Steingut - vom kompletten Service bis zur Sonderanfertigung, dazu Töpfe, Platten und ofenfeste Formen. 2023 kam ein Dekor von Lisa Larson namens Sixten auf Knochenporzellan heraus.

Neben Kåge und Lindberg prägen weitere Namen die Formensprache des Hauses: Siv und Stina Juhlin, Ingegerd Råman, Margareta Hennix und Signe Persson-Melin. Wer sich für schwedisches Design interessiert, findet in Gustavsberg mehr Substanz als in jedem Designladen in der Stockholmer Innenstadt - und zwar in Form von Werkstätten, in denen tatsächlich gearbeitet wird.

Gustavsberg als Tor zu den Schären

Geografisch liegt Gustavsberg auf Värmdö, also auf dem Festland vor den eigentlichen Schäreninseln. Genau das macht den Ort praktisch: Von hier aus sind die Fährhäfen Stavsnäs, Sollenkroka und Boda mit dem Bus erreichbar, von denen die Boote nach Sandhamn, Möja und in die mittleren Schären auslaufen. Wie das Bootsnetz zusammenhängt, steht im Beitrag über Waxholmsbolaget.

Wenn Sie einen Tag mit wenig Fahrtzeit und viel Inhalt wollen, kombinieren Sie Gustavsberg mit dem Naturreservat Björnö, das ebenfalls auf Värmdö liegt und ohne Boot erreichbar ist. Für den Kunstweg gilt dasselbe in die andere Richtung: Artipelag liegt ebenfalls auf Värmdö.

Wann sich der Besuch lohnt

Zwischen Juni und Ende September, wenn das Museum offen ist. Das ist die klare Antwort. In der übrigen Zeit bleibt das Fabrikgelände mit Ateliers, Läden und Kulturhaus, was für einen Halbtagesausflug reicht, aber nicht für die Anreise aus Deutschland.

Rechnen Sie für Museum, Ateliers und einen Gang durchs Areal drei bis vier Stunden. Mit dem Bus aus Stockholm passt das bequem in einen halben Tag - ein Unterschied zu fast allen anderen Zielen im Schärengebiet, wo allein die Anreise diesen halben Tag frisst.

Häufige Fragen zu Gustavsberg

Wie kommt man von Stockholm nach Gustavsberg?

Mit Bus 474 ab Slussen in rund 20 Minuten bis zur Haltestelle Gustavsbergs hamn. Mit dem Auto ebenfalls rund 20 Minuten über die Straße 222. Im Sommer fährt Strömma zusätzlich ein Boot, das zwei Stunden braucht.

Was kostet das Porzellanmuseum?

80 Kronen Eintritt, unter 20 Jahren kostenlos. Geöffnet in der aktuellen Saison vom 1. Juni bis 27. September, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Wird in Gustavsberg noch Porzellan hergestellt?

Ja. Die Fabrik von 1825 ist durchgehend in Betrieb und produziert Knochenporzellan und Steingut, von kompletten Services bis zu Sonderanfertigungen.

Lohnt sich Gustavsberg für Design-Interessierte?

Ja. Im alten Fabrikgelände arbeiten rund 120 Ateliers, dazu kommen Keramikausbildung, Auktionshaus, Fachhandel und mehrere Outlets.

Liegt Gustavsberg in den Schären?

Auf Värmdö, also auf dem Festland vor den Inseln. Von dort erreichen Sie mit dem Bus die Fährhäfen Stavsnäs, Sollenkroka und Boda.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Drei bis vier Stunden für Museum, Ateliers und einen Rundgang. Mit dem Bus aus Stockholm ist Gustavsberg damit ein Halbtagesausflug.

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