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Ljusterö: die größte Schäreninsel ohne Brücke, mit Fähre und Bus erreichbar

Von Martin HöllingerVeröffentlicht am 27. Oktober 2026

Kleine gelb-weiße Autofähre auf einem ruhigen Sund zwischen bewaldeten Ufern, am anderen Ufer ein rotes Bootshaus

Ljusterö hat 6.160 Hektar Land und 1.663 Einwohner. Damit ist sie die größte und zugleich die bevölkerungsreichste Insel im Stockholmer Schärengarten, die keine Brücke zum Festland hat. Abgeschnitten wirkt sie trotzdem nicht: Eine kostenlose Autofähre quert den Sund in sieben Minuten, und der Linienbus fährt gleich mit.

Größer als Ornö und Möja zusammen

Wie groß Ljusterö im Vergleich ist, zeigt die Inselstatistik des schwedischen Statistikamts SCB, die alle Inseln ohne Brückenverbindung mit mindestens zehn Einwohnern erfasst. Ornö, die Nummer zwei der Liste, kommt auf 4.767 Hektar. Ornö und Möja zusammen haben 6.052 Hektar, gut hundert weniger als Ljusterö allein.

InselLandflächeEinwohner 2010Einwohner 2020Wohngebäude 2021Wohngebäude je Einwohner
Ljusterö6.160 ha1.4871.6632.7931,7
Ornö4.767 ha2242359414,0
Utö2.936 ha1891914852,5
Möja1.285 ha2212036123,0
Svartsö715 ha70663024,6
Ingmarsö612 ha1541633402,1

Interessanter als die Fläche ist die letzte Spalte. Zu den Wohngebäuden zählen auch Ferienhäuser, und auf Svartsö oder Ornö kommen vier und mehr davon auf jeden Einwohner. Auf Ljusterö sind es 1,7. Die Insel ist also weniger Sommerkolonie als die anderen, hier wohnen Menschen das ganze Jahr. Und es werden mehr: Zwischen 2010 und 2020 wuchs die Bevölkerung um zwölf Prozent. Ornö legte im selben Zeitraum fünf Prozent zu, Utö eines, Möja verlor Einwohner.

Gebaut ist trotzdem viel: 8.008 Gebäude standen Anfang 2021 auf der Insel, fast dreimal so viele, wie es Wohngebäude gibt.

Die Fähre: sieben Minuten und kostenlos

Die Ljusteröleden verbindet Östanå auf dem Festland mit Ljusterö. Nach Angaben des Trafikverket, das die Fähre betreibt, ist die Strecke 1.100 Meter lang, die Überfahrt dauert sieben Minuten und kostet nichts, weder für Fußgänger noch für Autos. Abfahrtszeiten und Störungen zeigt die App Trafikinfo Färjerederiet; über sie lässt sich die Fähre auch rufen.

Für Autofahrer bedeutet das: Ljusterö ist ein Ausflug ohne Buchung und ohne Ticket.

Mit dem Bus 626 über die Fähre

Ohne Auto bringt Sie die SL-Buslinie 626 auf die Insel. Sie startet an der U-Bahn-Station Danderyds sjukhus, fährt über Arninge und den Bahnhof Åkersberga nach Östanå, nimmt die Fähre und verteilt sich dann auf der Insel: zum Ortszentrum Ljusterö torg, nach Åsättra brygga im Osten und nach Linanäs brygga im Süden. Die Fahrzeiten im Fahrplan, der vom 17. August bis 12. Dezember 2026 gilt:

StreckeFahrzeit
Danderyds sjukhus - Ljusterö färjelägerund 1 Stunde 10 Minuten
Åkersberga station - Ljusterö färjeläge35 bis 40 Minuten
Danderyds sjukhus - Linanäs brygga1 Stunde 40 Minuten bis knapp 2 Stunden

Werktags kommen rund ein Dutzend Busse am Tag auf die Insel, am Wochenende fährt einer etwa alle zwei Stunden ab Danderyds sjukhus, dazu kommen Fahrten ab Åkersberga. Die letzte Rückfahrt verlässt Linanäs brygga samstags und sonntags um 22.28 Uhr und erreicht Åkersberga um 23.35 Uhr. Nicht jede Fahrt bedient jeden Teil der Insel: Lagnö by im Nordosten fahren am Wochenende nur einzelne Busse an, und einzelne Abschnitte bedient statt des Busses ein Auto, das bis 16 Uhr am Vortag telefonisch bestellt werden muss. Prüfen Sie Ihre Verbindung deshalb immer bis zur Haltestelle, nicht nur bis zur Fähre.

Ljusterö hat außerdem mehrere Anleger der Schärenboote. Ab Åsättra geht es nach Finnhamn, was die Anreise dorthin gegenüber der langen Bootsfahrt ab Stockholm deutlich verkürzt. Wie die Linien und Tarife von Waxholmsbolaget funktionieren und warum der volle Stegname wichtig ist, steht im eigenen Beitrag.

Sechzehn Dörfer, Fisch und Sand für Stockholm

Im 17. Jahrhundert gab es auf Ljusterö 16 Dörfer, für eine Schäreninsel eine hohe Zahl. Die Bewohner kombinierten Wald, Acker und Fischfang und hatten so das ganze Jahr ein Einkommen. Nach Angaben des Heimatvereins kam damals ein großer Teil des Fisches, der in Stockholm verkauft wurde, von Fischern aus Ljusterö. Auch Sand ging in die Stadt, transportiert in sogenannten Sandkilar. Die Sandgruben bei Laggarsvik im Süden der Insel sind bis heute zu erkennen.

Älter sind die Spuren aus der Wikingerzeit. 1923 fand man beim Hof Sillinge im Norden der Insel zwei goldene Armringe, vermutlich aus Gotland. Es ist der größte Fund dieser Zeit in der Provinz Uppland.

Ljusterö war lange zwei Inseln, Norra und Södra Ljusterö. Erst die Landhebung, die den ganzen Schärengarten bis heute aus dem Wasser drückt, machte im 19. Jahrhundert eine Insel daraus. Wie dieser Vorgang funktioniert, steht im Beitrag über die Entstehung der Schären.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bauten wohlhabende Stockholmer Sommerhäuser im Schärengarten. Auf Ljusterö stehen aus den 1910er und 1920er Jahren noch viele gut erhaltene Villen, vor allem in Gärdsvik und Stensvik. Wer sich kein eigenes Haus leisten konnte, mietete sich bei Inselbewohnern ein oder zog in eine Pension; zu den bekanntesten im ganzen Schärengarten gehörten Rastaborg in Linanäs und das Västra Lagnö Havsbad.

Das Heimatmuseum in Mellansjö

Das beste Ziel für einen Regentag liegt rund 200 Meter vom Ljusterö torg entfernt in Richtung Kirche. Das Wohnhaus des Museums stammt aus dem 18. Jahrhundert, stand ursprünglich in Vadholma und wurde 1931 auf den Tolvmansbacken in Mellansjö versetzt. Drinnen sind Küche, Saal und Webkammer eingerichtet, dazu eine Sammlung von Verlobungsgeschenken. Unterhalb liegen ein Boots- und Fischereimuseum, ein Landwirtschaftsmuseum und ein Kaufladen aus dem 20. Jahrhundert mit Schulzimmer, Waschhaus und Werkstatt. Unter den Stücken: ein Feuerkorb für das nächtliche Fischen mit dem Ljuster, dem Fischspeer.

Geöffnet ist das Museum im Sommerhalbjahr meist mittwochs und samstags. Samstags gibt es Kaffee und Gebäck für 50 Kronen, so stand es im Programm 2026 des Vereins. Wer das Museum an anderen Tagen sehen möchte, kann sich beim Verein melden.

Östra Lagnö: mit dem Auto in den äußeren Schärengarten

Im Nordosten läuft Ljusterö in eine lange Landzunge aus, Västra und Östra Lagnö, die bis an den äußeren Schärengarten heranreicht. Am Ende liegt das Naturreservat Östra Lagnö, verwaltet von der Skärgårdsstiftelsen: Pfade durch offenes Land, Wald und Strandwiesen, ganz außen auf Brännholmen glatte Felsen zum Baden, Angeln und Zelten mit Blick über den offenen Svartlögafjärden. Auf Brännholmen wächst ein alter Eibenbestand, an der Küste rasten und brüten Seevögel.

Östra Lagnö gehört zu den wenigen Stellen, an denen Sie mit dem Auto bis an den äußeren Schärengarten fahren können. Vom Weiler Lagnö by ist es ein kurzer Fußweg ins Reservat. Mit dem Bus wird es knapp, weil dort nur einzelne Fahrten halten. Auch Künstler kamen hierher: Albert Engström, Verner von Heidenstam und Bruno Liljefors besuchten Östra Lagnö regelmäßig, Engström erzählt in seinen Erinnerungen von mehreren Aufenthalten.

Für einen Ausflug in die Natur ohne Boot ist Östra Lagnö das stärkste Argument für Ljusterö. Die Felsen sind dieselben wie draußen auf den Außenschären, nur dass Sie mit dem Auto hinkommen und abends wieder zurück sind.

Golfplatz und Inselfestung

Golf. Der Ljusterö Golfklubb betreibt seit 2004 einen 18-Loch-Platz in der Inselmitte. Weil die Abschläge auf Matten liegen, konnten Tees an Stellen mit weiter Aussicht angelegt werden, wo sonst keine möglich gewesen wären.

Siaröfortet. Auf der kleinen Insel Kyrkogårdsön im Fahrwasser zwischen Vaxholm und Furusund liegt eine Festung, gebaut vor über hundert Jahren, um die Zufahrt nach Vaxholm zu schützen. Im Mannschaftsgebäude von 1916 betreibt heute die kleine Reederei Antrophia ein Gasthaus mit Restaurant und Pension, geöffnet von Mitte April bis Ende Oktober. Wer mit dem Auto kommt, parkt am Fähranleger Östanå, von dort sind es rund zehn Minuten mit dem Boot. Von Frühjahr bis Herbst legen außerdem täglich die Boote von Waxholmsbolaget ab Stockholm und Vaxholm an. Details bei der Svenska Turistföreningen.

Für wen sich Ljusterö lohnt

Wer die Schären ohne Bootsfahrplan erleben will, mit Auto oder Fahrrad und ohne Gepäcklimit, ist auf Ljusterö richtig. Die Insel ist groß genug für einen ganzen Tag mit Museum, Bad auf Östra Lagnö und Abendessen, und die Fähre fährt auch spät noch zurück. Wer dagegen das Bild von einer autofreien Insel mit einem einzigen Steg im Kopf hat, wird enttäuscht: Ljusterö hat Straßen, Autoverkehr und Linienbusse. Dafür sind dann Gällnö oder Finnhamn die besseren Ziele, und Finnhamn ist von Åsättra aus schnell erreicht.

Häufige Fragen zu Ljusterö

Wie kommt man nach Ljusterö?

Mit dem Auto oder dem SL-Bus 626 bis zum Fähranleger Östanå und von dort mit der kostenlosen Fähre Ljusteröleden in sieben Minuten auf die Insel. Der Bus fährt mit über und hält dann an mehreren Stellen auf der Insel.

Kostet die Fähre nach Ljusterö etwas?

Nein. Die Ljusteröleden wird vom staatlichen Trafikverket betrieben und ist für Fußgänger und Fahrzeuge kostenlos.

Wie viele Menschen leben auf Ljusterö?

Laut SCB waren es Ende 2020 1.663 Einwohner, zehn Jahre zuvor 1.487. Ljusterö ist damit die bevölkerungsreichste Insel ohne Brückenverbindung im Stockholmer Län.

Wie groß ist Ljusterö?

6.160 Hektar Land, also gut 61 Quadratkilometer. Keine andere Insel ohne Brücke im Stockholmer Schärengarten ist größer.

Was kann man auf Ljusterö unternehmen?

Das Heimatmuseum in Mellansjö besuchen, im Naturreservat Östra Lagnö wandern und baden, Golf spielen oder von Åsättra mit dem Boot weiter nach Finnhamn fahren.

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