Licht in den Schären: 18 Stunden Tag, 7 Grad Sonnenstand
Von Martin HöllingerZuletzt aktualisiert am 23. August 2026

Am 21. Juni 2026 geht die Sonne in Stockholm um 03:30 Uhr auf und um 22:08 Uhr unter. Am 21. Dezember um 08:43 auf und um 14:48 unter. Das sind 18 Stunden 37 Minuten gegen 6 Stunden 5 Minuten - ein Unterschied von zwölfeinhalb Stunden zwischen dem längsten und dem kürzesten Tag. Wer die Schären im Juni und im Dezember besucht, sieht dieselben Inseln unter zwei völlig verschiedenen Lichtverhältnissen.
Die Zahlen für Stockholm
| 21. Juni 2026 | 21. Dezember 2026 | |
|---|---|---|
| Sonnenaufgang | 03:30 Uhr | 08:43 Uhr |
| Sonnenuntergang | 22:08 Uhr | 14:48 Uhr |
| Tageslänge | 18 Std. 37 Min. | 6 Std. 5 Min. |
| Sonnenhöchststand | 54,1 Grad um 12:49 | 7,3 Grad um 11:45 |
| Bürgerliche Dämmerung | durchgehend | 07:47 bis 15:43 |
| Astronomische Nacht | keine | ab 17:29 Uhr |
Alle Werte für Stockholm nach den Sonnenstandstabellen von timeanddate. In den äußeren Schären, rund 50 Kilometer weiter östlich, verschieben sich die Zeiten um wenige Minuten nach vorn.
Warum es im Juni nicht dunkel wird
Stockholm liegt auf gut 59 Grad nördlicher Breite. Um die Sommersonnenwende sinkt die Sonne dort nachts nicht tief genug unter den Horizont, um echte Dunkelheit entstehen zu lassen. Eine astronomische Nacht gibt es im Juni gar nicht. Selbst die nautische Dämmerung dauert nur von 23:40 bis 01:59 Uhr - das ist die dunkelste Phase des ganzen Tages, und sie entspricht ungefähr dem Licht kurz nach einem mitteleuropäischen Sonnenuntergang.
Praktisch heißt das: Sie können um Mitternacht ohne Lampe über eine Insel gehen, Ihr Zelt aufbauen und die Karte lesen. Es heißt aber auch, dass Schlafen ohne Verdunkelung schwierig wird - eine Schlafmaske gehört im Juni ins Gepäck, wenn Sie in einer Hütte mit dünnen Vorhängen übernachten.
Warum das Winterlicht anders aussieht
Die interessantere Zahl ist nicht die Tageslänge, sondern der Sonnenstand. Am 21. Dezember erreicht die Sonne in Stockholm mittags gerade einmal 7,3 Grad über dem Horizont. Im Juni sind es 54,1 Grad.
Sieben Grad bedeuten Streiflicht. Das Licht kommt den ganzen kurzen Tag über flach von der Seite, wirft lange Schatten und färbt sich rötlich, weil es einen langen Weg durch die Atmosphäre nimmt. Was Fotografen in Mitteleuropa als goldene Stunde kennen und in zwanzig Minuten abarbeiten müssen, dauert in den Schären im Dezember mehrere Stunden. Der Preis dafür ist, dass es davor und danach dunkel ist.
Dazu kommt der Reflexionseffekt: Schnee auf den Felsen und offenes Wasser werfen das flache Licht zurück, was den Kontrast weiter absenkt und die Landschaft flächig wirken lässt. Wie sich die Schären in dieser Jahreszeit anfühlen, steht im Beitrag über den Winter in den Schären.
Die Dämmerung als eigene Tageszeit
Im Dezember liegt die bürgerliche Dämmerung, also die Phase mit noch brauchbarem Tageslicht ohne Sonne, zwischen 07:47 und 15:43 Uhr. Der eigentliche Sonnentag von 08:43 bis 14:48 macht davon nur einen Teil aus. Rechnen Sie also mit knapp acht Stunden Helligkeit statt der sechs Stunden, die die Tageslänge suggeriert.
Für die Tagesplanung ist das entscheidend. Eine Wanderung, die um 14 Uhr beginnt, endet im Dunkeln. Eine, die um 09 Uhr beginnt, hat ein komfortables Zeitfenster. Und: Das letzte Boot fährt im Winter oft am frühen Nachmittag, also bei Tageslicht - das ist selten das Problem.
Was das für die Reiseplanung heißt
Von Ende Mai bis Mitte Juli können Sie den Tag praktisch beliebig einteilen. Eine Wanderung um 20 Uhr, ein Bad um 22 Uhr, ein Bootstransfer am späten Abend: alles ohne Stirnlampe machbar. Das ist der eigentliche Vorteil der nordischen Sommerreise, mehr noch als das Wetter.
Von November bis Januar dreht sich das um. Der Tag wird zum knappen Gut, und Sie planen eine Aktivität pro Tag statt drei. Dafür bekommen Sie Lichtverhältnisse, die es im Sommer nicht gibt, und Inseln ohne andere Besucher. Welche Monate wofür taugen, steht im Beitrag zur besten Reisezeit.
Die beiden Übergangszeiten sind der Kompromiss: Im April und im September liegt die Tageslänge nahe an zwölf Stunden, der Sonnenstand ist hoch genug für normale Belichtung und niedrig genug für gutes Seitenlicht.
Fotografieren in den Schären
Drei Punkte, die sich aus den Zahlen ergeben:
Im Sommer ist die gute Zeit nachts. Zwischen 21 und 23 Uhr steht die Sonne tief, danach folgt eine Dämmerung, die nicht endet. Mittags dagegen steht sie 54 Grad hoch, was harte Schatten und flaue Farben bedeutet - die schlechteste Zeit des Tages.
Im Winter ist der ganze Tag die gute Zeit. Bei sieben Grad Sonnenhöhe gibt es kein hartes Mittagslicht. Sie brauchen dafür aber lichtstarke Optik oder ein Stativ, weil die absolute Helligkeit gering ist.
Das Wasser ist die zweite Lichtquelle. In den Schären steht selten etwas zwischen Ihnen und dem Horizont. Reflexionen auf offenem Wasser hellen Schattenseiten auf, was Gegenlichtaufnahmen leichter macht als an Land.
Und Nordlichter?
Auf 59 Grad Nord sind Polarlichter die Ausnahme, nicht die Regel. Sie brauchen einen starken geomagnetischen Sturm, damit das Nordlichtoval weit genug nach Süden reicht. Wenn es passiert, sind die Schären allerdings ein guter Ort dafür: Es gibt kaum Lichtverschmutzung, sobald Sie Stockholm hinter sich lassen, und freien Blick nach Norden über offenes Wasser.
Planbar ist das nicht. Wer wegen der Polarlichter nach Schweden reist, fährt weiter nach Norden. Wer im Winter ohnehin in den Schären ist, sollte an klaren Abenden nach Norden schauen.
Häufige Fragen zum Licht in den Schären
Wie lange ist der längste Tag in Stockholm?
18 Stunden und 37 Minuten. Am 21. Juni 2026 geht die Sonne um 03:30 Uhr auf und um 22:08 Uhr unter.
Wird es im Sommer überhaupt dunkel?
Nein. Eine astronomische Nacht gibt es im Juni nicht. Die dunkelste Phase liegt zwischen 23:40 und 01:59 Uhr und entspricht nautischer Dämmerung, also etwa dem Licht kurz nach Sonnenuntergang in Mitteleuropa.
Wie kurz ist der Tag im Dezember?
6 Stunden und 5 Minuten am 21. Dezember, von 08:43 bis 14:48 Uhr. Rechnet man die bürgerliche Dämmerung dazu, sind es knapp acht Stunden nutzbares Licht.
Warum sieht das Winterlicht so anders aus?
Weil die Sonne mittags nur 7,3 Grad über dem Horizont steht. Das Licht fällt den ganzen Tag flach ein, wirft lange Schatten und ist rötlich - vergleichbar mit der goldenen Stunde, nur über Stunden statt Minuten.
Wann ist die beste Zeit zum Fotografieren?
Im Sommer zwischen 21 Uhr und Mitternacht, im Winter praktisch der ganze Tag. Die Mittagsstunden im Juni sind mit 54 Grad Sonnenhöhe die schlechteste Zeit.
Kann man in den Schären Nordlichter sehen?
Selten. Auf 59 Grad Nord braucht es einen starken geomagnetischen Sturm. Die dunklen Inseln ohne Lichtverschmutzung wären dafür allerdings gut geeignet.
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